Unsere Vereinsaktivitäten im Jahre 2013      Download des Projektberichts 2013 als PDF Datei

Der neue Brunnen in Sakhaingyi kurz vor seiner Fertigstellung
  1. Vorwort

  2. Zusammenfassung

  3. Sakhaingyi - Brunnenbau

  4. 3.1.   Vorgeschichte
    3.2.   Gutachten und Baugenehmigung
    3.3.   Brunnenbau-Aktivitäten
    3.4.   Einweihungsfeier
  5. Kalaymyo - Beulah Children Home

  6. Kalaymyo - Trinity Orphanage

  7. Kalaymyo - Hakha Diözese

  8. Mandalay - Phaung Daw Oo

  9. Hsipaw - Ko Zaw Tun

  10. 8.1.   Wasserbüffel
    8.2.   Umweltprojekt und Micro Credit
  11. Mögliche zukünftige Projekte

  12. 9.1.   Kalaymyo - Marfels III
    9.2.   Khaung Tai - Aung Tun Lay
    9.3.   Yangon - U Par Ni
    9.4.   Kalaymyo - Grundschule
  13. Statistik der verteilten Spenden

  14. Danksagung


1. Vorwort

Inzwischen ist der politische wie wirtschaftliche Umbruch in Birma allgegenwärtig. Hochrangige Politiker aus demokratischen Ländern der westlichen Welt geben sich ein Stelldichein mit dem neuen Präsidenten Thein Sein und führen ungehindert Gespräche mit Aung San Suu Kyi, der Oppositionsführerin und Vorsitzenden der „National League for Democracy“ (NLD). Die Regierung versucht mit allen Mitteln, westliche Investoren ins Land zu locken, um sich aus der seit Jahrzehnten andauernden wirtschaftlichen Abhängigkeit von China zu befreien.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Birma wird nach wie vor von einer Militär-Junta regiert. Aber ihre Bestrebungen, etwas mehr Demokratie zu wagen, bewirken eine durchaus positive Resonanz bei potentiellen Investoren aus Europa und Amerika. Das einzige Hindernis auf diesem Weg ist die mangelnde Infrastruktur. Der Staat braucht dringend Geld, um in diesem Punkt für Abhilfe zu sorgen. Steuererhöhungen sind daher unvermeidbar, sorgen aber gleichzeitig für große Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung.
Auch für Besucher dieses Landes wird die neue Wirtschaftspolitik spürbar. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Hotelpreise in vielen Landesteilen um mehr als 50 Prozent gestiegen. Dies liegt aber auch daran, dass in diesem Jahr mehr Touristen ins Land gekommen sind als je zuvor. Die Zimmer werden knapp. Viele Hotels sind in der Hauptsaison für Wochen ausgebucht.
Birma befindet sich im Aufbruch: Überall werden Asphaltstraßen gebaut, wo es früher nur Staub- und Lehmpisten gab, bestehende Straßen werden ausgebessert, neue Hotels errichtet. Das Land wappnet sich für die Zukunft. Es kann eine goldene Zukunft werden, wenn es den Herrschenden gelingt, jahrhunderte alte Traditionen und zeitgemäße Moderne miteinander zu vereinbaren, sie als harmonische Symbiose zu begreifen, althergebrachtes zu bewahren und neue Errungenschaften als Chance zu sehen und diese behutsam in die Gesellschaft zu integrieren.

Während wir im vergangenen Jahr mit dem Bau eines Waisenhauses und einer Schreinerwerkstatt ein weiteres Großprojekt realisieren konnten, liegen die Schwerpunkte unserer diesjährigen Aktivitäten insbesondere auf den Gebieten Gesundheit, Bildung und Brunnenbau. Die Fluggesellschaft Vietnam Airlines hat das „zulässige Gesamtgewicht“ unseres Gepäcks für den Hinflug von Frankfurt a.M. über Saigon nach Yangon kostenlos auf über 80 Kg aufgestockt. Bei den Inlandsflügen in Birma war auch die neue Gesellschaft Air KBZ bereit, unser Übergewicht gebührenfrei zu transportieren.
In der vorliegenden Broschüre haben wir den größten Teil unserer diesjährigen Hilfsaktionen knapp dokumentiert, um einerseits zu beschreiben, wohin die Spendengelder des „Förderkreis Birma e.V.“ geflossen sind und was wir mit den Sachspenden gemacht haben, andererseits aber auch, um über das recht breite Spektrum der von uns geförderten Projekte zu informieren.

Gerd Ransoné, im Oktober 2013




2. Zusammenfassung

In diesem Jahr führt uns unsere Reise zum ersten Mal mit Vietnam Airlines über Saigon nach Yangon. Auch diesmal halten wir uns nicht lange in der früheren Hauptstadt Birmas auf. Bereits zwei Tage später fliegen wir über Mandalay nach Kalaymo, um uns von der Nachhaltigkeit der abgeschlossenen Projekte zu überzeugen. In Sakhaingyi nehmen wir an der Einweihungsfeier unseres diesjährigen Brunnenbau-Projekts teil.
Später fliegen wir nach Mandalay. Dort treffen wir einige der von uns geförderten Studenten im Phaung Daw Oo und lernen Maung Pyay Zaw kennen, den wir als zukünftigen Medizinstudenten in unser Förderprogramm aufnehmen. Anschließend fahren wir nach Nyaung Shwe, wo wir unseren ehemaligen Chemie-Studenten Aung Tun Lay besuchen, der hier nach Abschluß seines Studiums einen guten Job gefunden hat.




3. Sakhaingyi - Brunnenbau

3.1 Vorgeschichte

Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal das Dorf Sakhaingyi besucht, welches etwa 30 Kilometer nördlich von Kalaymyo liegt. Es ist das Dorf von James Thawng Cin Than, dem jüngeren Bruder des Waisenhausdirektors U Ni Hre. Seit einigen Jahren arbeitet er als zweiter Ingenieur an der „Rice Husk Power Station“, dem umweltfreundlichen Biogas-Kraftwerk in Sanmyo, welches durch Mittel des „Förderkreis Birma“ im Jahre 2009 errichtet wurde. James hatte uns im Vorfeld bereits von den massiven Problemen bei der Trinkwasserversorgung für die geschätzten 6.000 Bewohner des Dorfes erzählt.
Während unseres Besuchs in Sakhaingyi im Frühjahr 2012 haben wir den Dorfbrunnen im Zentrum des Ortes besichtigt, welcher schon wenige Wochen nach dem Ende der Regenzeit versiegt. Wir haben James damals ernsthaft ins Gewissen geredet, so schnell wie möglich eine Brunnenabdeckung zu zimmern, damit einerseits zur Trockenzeit weniger Wasser verdunstet, andererseits keine Verunreinigungen wie Straßenstaub, Laubblätter u.ä. mehr in das Brunnenwasser gelangen können. Ferner sinkt damit die latente Gefahr für spielende Kinder, in den Brunnenschacht zu fallen.

James läßt sich nicht lange bitten: als Mann der Tat macht er sich sogleich ans Werk. Die Fotos von der Herstellung der Brunnenabdeckung landen noch vor unserer Rückkehr aus Birma in unserer Mailbox.

Während des Sommers 2012 bleiben wir regelmäßig in Kontakt, um die Randbedingungen für ein neues Projekt festzulegen. Wir stellen von vorne herein klar, dass wir dem Bau eines neuen Brunnens nur zustimmen werden, wenn die nachfolgenden Bedingungen erfüllt sind:

  1. Der öffentliche Brunnen darf nicht auf einem Privatgrundstück errichtet werden, damit der Zugang zum Brunnen für alle Dorfbewohner zu jeder Zeit gewährleistet ist.

  2. Der Bürgermeister von Sakhaingyi stellt ein geeignetes Gelände für das Brunnenbauprojekt kostenlos zur Verfügung.

  3. Über die Eignung des vorgesehenen Geländes für den Brunnenbau entscheidet ein Gutachten von der Geologischen Fakultät der Universität Kalaymyo.

  4. Die Genehmigung zum Bau des neuen Brunnens durch die örtlichen Behörden ist für den Förderkreis Birma e.V. kostenfrei.



3.2 Gutachten und Baugenehmigung

Ende November 2012 erhalten wir ein Gutachten von Dr. U Shwe Soe, welcher als Dozent am Geologischen Institut der Universität in Kalaymyo arbeitet. Aus diesem geht aber nicht hervor, ob es sich bei dem ausgesuchten Grundstück auch tatsächlich um ein öffentliches Gelände handelt, welches kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann. Erst auf Nachfrage erfahren wir, dass dies nicht der Fall ist. Unser Projekt steht auf der Kippe !

Wir teilen unserem designierten Projektleiter James Thawng Cin Than unverhohlen mit, dass wir unter diesen Umständen nur die Reparatur des alten Brunnens, d.h. ein Tieferbohren um gut sechs Meter, finanzieren werden.

James wird nervös und setzt alle Hebel in Bewegung. Schließlich schafft er es, den Bürgermeister und Dr. U Shwe Soe erneut zusammenzubringen. Am 8. Dezember 2012 erhalten wir ein zweites Gutachten, in welchem die Eignung einer öffentlichen Parzelle am Rande des Fußballplatzes bescheinigt wird. Wir haben es geschafft und können grünes Licht für den Bau des neuen Brunnens geben. Bereits am gleichen Tag wird der Brunnenbau vom Bürgermeister in Sakhaingyi formell genehmigt. Die Baugenehmigung ist für uns selbstverständlich kostenfrei, da es sich um ein öffentliches Projekt handelt, von dem jeder Dorfbewohner profitieren wird. Damit sind alle im Vorfeld genannten Bedingungen unseres Vereins zur Errichtung eines neuen Brunnens lückenlos erfüllt.



3.3 Brunnenbau-Aktivitäten

Die Arbeiten zur Errichtung eines neuen Brunnens beginnen unmittelbar nach Erhalt der erforderlichen Geldmittel.
Projektleiter James versorgt uns regelmäßig mit aktuellen Fotos von der Baustelle. Während der Bohrungsarbeiten kommen zuweilen Soldaten eines nahe gelegenen Militärcamps vorbei und erkundigen sich neugierig nach dem Stand der Dinge. Manche unterstützen das Brunnenprojekt spontan mit 1.000 Kyat, einige sogar mit 5.000 Kyat und bringen den Arbeitern regelmäßig heißen Tee zur Baustelle.

Parallel zu den Aktivitäten für den neuen Brunnen erfolgt die Reparatur eines alten Brunnens aus dem Jahre 1998. Beim Ausheben des Brunnenschachts um etwa drei Meter finden die Bauarbeiter zwei Banknoten à 5.000 Kyat.
Dies gilt als besonderes Glückszeichen und kommt bei den zum Teil recht abergläubischen Dorfbewohnern sehr gut an.



3.4 Einweihungsfeier

In diesem Jahr fliegen wir zum ersten Mal mit der neuen Airline KBZ nach Kalaymyo. Unser Empfangskomitee besteht leider nur aus Sonny Cung Luai und James Thawng Cin Than. Dessen Bruder Ni Hre ist noch zu Besuch bei den Schwiegereltern, die vor neunzehn Jahren in die indische Provinz Manipur ausgewandert sind. James versichert uns aber, dass sein Bruder rechtzeitig zurückkehren wird, um an der bevorstehenden Einweihungsfeier für das Brunnenprojekt teilzunehmen. Im Shanghai Restaurant stellt man uns das Wohnzimmer für unsere erste Besprechung zur Verfügung. Wir legen großen Wert darauf, den Geologen Dr. U Shwe Soe kennen zu lernen, dem wir für die Anfertigung der Projektentscheidenden Gutachten zu großem Dank verpflichtet sind, und bitten James, ein Treffen mit ihm zu arrangieren.

Bereits am nächsten Tag kommen wir alle am späten Nachmittag in einer Teestube zusammen: James Thawng Cin Than, sein älterer Bruder Robert Ni Hre, der Waisenhausdirektor Sonny Cung Luai sowie der Geologe Dr. U Shwe Soe und sein Freund Dr. U Lengceu, Dozent für Englisch an der Universität Kalaymyo. Unser Gespräch ist sehr angeregt und informativ. Wir erkundigen uns nach der Möglichkeit, die beiden Dozenten auf dem Universitäts-Campus, der etwa zehn Kilometer außerhalb der Stadt liegt, zu besuchen, erfahren aber, dass dies für Ausländer noch immer nicht erlaubt ist. Der Termin für die Eröffnungsfeier des Brunnenbau-Projekts wird spontan auf den morgigen Samstag festgelegt, nachdem James uns versichert hat, dass auch der Bürgermeister von Sakhaingyi anwesend sein wird.

Am nächsten Morgen steht pünktlich um 10:00 Uhr ein Pritschenwagen im Hof unseres Hotels. Zahlreiche Bewohner des Trinity Waisenhauses sitzen bereits auf der Ladefläche, darunter die Mutter von James und Ni Hre. Es fehlen aber U Shwe Soe und U Lengceu. Entgegen unseren Abmachungen werden sie mit dem Moped nach Sakhaingyi fahren. Gleiches gilt für Sonny, der uns auf der Hauptstrasse entgegenkommt und offensichtlich einen anderen Weg nimmt als wir.

Als wir in Sakhaingyi ankommen, fällt uns sofort die schöne Brunnenanlage neben dem Fußballplatz auf. Erst jetzt erfahren wir, dass der Bürgermeister des Dorfes mit einer hochrangigen Delegation aus Naypyidaw nach Hakha, der Hauptstadt des Chin-State, reisen musste. So kann er nun doch nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen, und wir müssen mit dem stellvertretenden Bürgermeister U Dar Mang (2.v.l.) vorlieb nehmen. Wir treffen uns alle am Haus von James, wo sich bereits zahlreiche Dorfbewohner eingefunden haben, um uns per Handschlag zu begrüßen und uns ihren Dank auszusprechen. Nachdem wir vollzählig sind, begeben wir uns auf den Weg zum neuen Brunnen mit seinen hübsch angelegten vier Zugängen, welche durch geweißelte, schräg in den Boden eingelassene Ziegelsteine markiert werden.

Der Geologe Dr. U Shwe Soe und Gerd Ransoné, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreis Birma e.V., schneiden das rosafarbene Eröffnungsband unter donnerndem Applaus der Bevölkerung gemeinsam durch und übergeben die neue Brunnenanlage damit offiziell an die Dorfbewohner Sakhaingyis.

Das am Dachfirst des hübschen Brunnenhäuschens angebrachte Schild besagt: „Willkommen – wo kein Wasser ist, gibt es kein Leben – komm her und trink, es kostet nichts in Sakhaingyi!

James zeigt uns mit sichtlicher Begeisterung, wie das frische Brunnenwasser zutage gefördert wird und bestätigt uns dessen außergewöhnlich gute Qualität. Das Brunnensystem ist uns neu, und es ist clever: Ein mit Klappventil versehenes Rohr von etwa 1,20 m Länge und einem Durchmesser von 15 cm wird durch ein weiteres Rohr mit etwas größerem Durchmesser in die Tiefe gelassen. Man kann es leicht nach oben ziehen und füllt den Inhalt von ca. 20 Litern in einen mitgebrachten Eimer oder Kanister um. Dieses System hat zwei große Vorteile:

  1. Beim Spielen kann kein Kind mehr in den Brunnen fallen,

  2. Das äußere Brunnenrohr wird nach der Wasserförderung mit einem Deckel verschlossen. Damit ist das Brunnenwasser sowohl vor unnötiger Verdunstung als auch vor Verschmutzung geschützt.

Wir sind begeistert. Unsere Mühe hat sich wirklich gelohnt !

Als wir in James’ Haus zurückkehren ist der Tisch schon reichlich gedeckt. Gemüse und Reis sind lecker, über das Fleisch kann man unterschiedlicher Meinung sein. Zur Feier des Tages wird sogar kühles Myanmar Bier ausgeschenkt. Bevor wir uns zur Einweihung des reparierten Brunnens begeben, starten wir eine Verteilungsaktion mit etwa einhundert optischen Brillen, die wir in diesem Jahr zum ersten Mal für das Dorf Sakhaingyi im Gepäck haben. Leider hat James einen viel zu kleinen Tisch bereitgestellt, und Zeitungen fehlen natürlich auch. Aus Erfahrung haben wir aber vorgesorgt und einige Zeitungen vom Hotel mitgebracht.

Das Ausprobieren der Sehhilfen für Kurz- und Weitsichtige gestaltet sich – wie in den vergangenen Jahren in Kalaymyo – recht chaotisch. Wir haben große Mühe, dass die Brillen nicht durcheinander geraten. Ein älterer Herr fällt uns in all dem Trubel sehr angenehm auf: ruhig, systematisch und intelligent probiert er diverse Lesebrillen aus, hält die Zeitung in der richtigen Entfernung, vergleicht und entscheidet sich besonnen.

Die Verteilung von Kuscheltieren unter den Kindern gestaltet sich dagegen sehr zivilisiert und entspannt. Der gelbe Geist lacht zur großen Freude aller Anwesenden.

Anschließend begeben wir uns gemeinsam wir zum alten Brunnen aus dem Jahre 1998, der um acht Fuß tiefer ausgehoben wurde. Auch hier haben die Dorfbewohner die Anlage mit einem Brunnenhäuschen und zwei eingefassten Zugängen verschönert sowie seitliche Ablageflächen geschaffen. Der Bereich um den Brunnenschacht wurde betoniert, der Brunnenrand erhöht und eine vernünftige Abdeckung gezimmert.

Am Eingang zum Brunnenhäuschen gibt es ein Schild mit der Inschrift „Bitte keinen Abfall in Brunnennähe wegwerfen !“ - Den gleichen Hinweis haben wir bereits vor zwei Stunden mit großer Freude am Zugang zum neu errichteten Brunnen gesehen. Unsere systematische Aufklärungskampagne zur Schärfung des Umweltbewusstseins trägt offenkundig bereits Früchte !

Bevor wir nach Kalaymyo zurückkehren offenbart uns James einen lang gehegten Wunsch seiner Frau Vung Sian Kim: Seit Jahren träumt sie von einer Nähmaschine. Damit könnte sie nicht nur die Kleider für ihre drei Kinder anfertigen, sondern auch die obligatorischen Schul-uniformen für viele Dorfkinder nähen und damit einen nicht unerheblichen Beitrag zum gemeinsamen Familieneinkommen leisten.

Drei Tage später treffen wir uns am Vormittag mit Sonny im Haushaltswarengeschäft neben unserem Stammlokal der Halbchinesin Tin Tin, wo wir vor zwei Jahren die Nähmaschine für seine Frau Biak Rem Mawi gekauft haben. Sonny hat sich inzwischen zum Spezialisten in Sachen „Beurteilung von Nähmaschinen“ entwickelt. Nach sorgfältiger Prüfung teilt er uns mit, dass die indische Merritt wesentlich besser ist als die indische Singer. Als „alte Stammkunden“ erhalten wir sogar noch 5.000 Kyats Rabatt auf den Gesamtpreis für die Nähmaschine, die tunnelförmige Abdeckung und den zugehörigen Tisch mit Tretwerk. So zahlen wir statt 130.000 Kyat nur noch 125.000 Kyat (ca. 109,- Euro). Noch am gleichen Tag wird die Nähmaschine mit einem Toyota Light Truck von Kalaymyo nach Sakhaingyi transportiert.



4. Kalaymyo - Beulah Children Home

Rual Sang, der jüngere Bruder von Sonny Cung Luai, ist inzwischen mit seiner Frau und fünf Kindern aus seinem etwa 300 Kilometer entfernten Heimatdorf im Chin State nach Kalaymyo übergesiedelt. Seit Mitte Mai 2012 arbeitet er gemeinsam mit Sonny in der Schreinerwerkstatt. Die Familie, insbesondere die Kinder, hatten anfangs große Schwierigkeiten, sich in das Dorfleben zu integrieren, da sie langjährige Freundschaften aufgeben und neue Beziehungen aufbauen mussten.

Jetzt lernen wir Rual Sang und seine Familie zum ersten Mal persönlich kennen. Im Februar des vergangenen Jahres konnte er nämlich nicht an der Einweihungsfeier für das neue Waisenhaus teilnehmen. Kurz vor der Eröffnungszeremonie musste er in sein Dorf zurückkehren, da seine Frau schwer erkrankt war und im Koma lag. Glücklicherweise ist sie heute wieder kerngesund.

Aus dem Umfeld der Schreinerwerkstatt gibt es mittlerweile sehr viel Positives zu berichten: Die Produktion von leichten, stabilen und gleichzeitig in der Herstellung sehr preiswerten Sitzgelegenheiten aus Bambus ist inzwischen erfolgreich angelaufen. Dabei handelt es sich um Nachbauten eines Prototyps, den wir der Halbchinesin Tin Tin im Februar 2012 in Kalaymyo abgekauft und zum Waisenhaus gebracht haben. Die ersten Exemplare sind vielleicht optisch noch nicht ausgereift, scheinen aber, wie man an den fröhlichen Gesichtern der Waisenkinder ablesen kann, bereits ein hohes Maß an Sitzkomfort zu bieten.

Als nächstes wurden zahlreiche doppelstöckige Betten für die Waisenkinder des Beulah Children Home in der Schreinerwerkstatt fertig gestellt. Damit wird der Schlafkomfort der Kinder deutlich verbessert. Bislang waren sie es gewohnt, die Nacht auf harten Strohmatten auf dem Fußboden zu verbringen.
Die Produktion dieser platzsparenden Betten ist bereits zur Serienreife gelangt. Bis heute haben schon mehrere Waisenhäuser in der Umgebung sowie private Haushalte die neuen Möbel in Auftrag gegeben. Die Qualität in der Fertigung hat sich durch Mund zu Mund Propaganda schnell im Dorf und sogar bis ins Zentrum von Kalaymyo herumgesprochen, ohne dass es einer besonderen Werbekampagne bedurft hätte.

Nach ersten Anlaufschwierigkeiten ist inzwischen auch die Produktion von hochwertigen Möbeln in der Schreinerwerkstatt angelaufen. Dazu zählen unter anderem Schränke und Vitrinen aus Teakholz, moderne Kommoden, Esstische, bequeme Sitzgelegenheiten und vieles mehr. Die Auftragslage ist derzeit höchst erfreulich. Rual Sang, der jüngere Bruder von Sonny Cung Luai, versteht sein Handwerk und weiß genau, wie er die von unserem Verein bereitgestellten Fräswerkzeuge geschickt einsetzen kann.

Und er hat noch ein weiteres Standbein: Schließlich ist er ja auch gelernter Bauschreiner. Zu den bisherigen Aufträgen im Bausektor zählen nicht nur Fenster und Türen für Neubauten, sondern ein großes Dachgestühl sowie eine komplette Lagehalle.
Die Auftragslage ist mittlerweile so gut, dass Sonny und sein Bruder gar nicht alles alleine bewältigen können. Daher wurden in diesem Jahr schon vier weitere Arbeiter eingestellt. Eine schönere Bestätigung für die Nachhaltigkeit dieses Projekts kann es wohl kaum geben.

Auch die Bilanz der Schreinerwerkstatt im ersten Betriebsjahr kann sich sehen lassen: Von Anfang Mai bis Ende Dezember 2012 lag der Umsatz bereits bei 2.738.000 Kyat. Nach Abzug aller Unkosten für Holz, Lacke, Kleinteile, Reparaturen und Betriebsmittel verblieb ein Reingewinn von 1.124.600 Kyat, das entsprach einem Betrag von ca. 1.095 €.

Im großen Garten des Waisenhauses werden reichlich Obst und Gemüse geerntet und der Fischteich liefert ausreichend eiweißhaltige Nahrung. Joel, der vierjährige Sohn des Waisenhausdirektors Sonny Cung Luai, posiert stolz mit dem größten Fisch, der bislang aus dem Teich auf dem Gelände des Beulah Children Home gefangen werden konnte.
Sonnys Frau Biak Rem Mawi bekam am 23.12.2012 ihr drittes Kind. Es ist ein Mädchen und wurde auf den Namen Mary Van Nun Par getauft.

Im Januar 2013 haben wir den Waisenhausdirektor Sonny Cung Luai gebeten, seine Kinder ein paar Bilder für uns malen zu lassen. Dabei sind richtige Kunstwerke entstanden, die uns zeigen, dass sich die Kinder in ihrer Umgebung sehr wohlfühlen und glücklich sind. Hier sehen Sie einige ihrer schönsten Gemälde:

Vincent Van Ro Cung (14)
"Landschaft"

Ngun Tha Chin Chin (13)
"Süße Nacht"

Tony (8)
"Liebe"

Solomon (8)
"Tiere"

Aung Kyaw Soe (10)
"Ohne Titel"

Bawi Tha (12)
"Mein Zuhause"

 
Vincent Van Ro Cung (14 Jahre) - Landschaft Chin Chin (13 Jahre) - Süße Nacht Tony (8 Jahre) - Liebe Solomon (8 Jahre) - Tiere Aung Kyaw Soe (10 Jahre) - Ohne Titel Bawi Tha (12 Jahre) - Mein Zuhause

Voller Stolz überreichen sie uns ihre kleinen Kunstwerke als Willkommensgeschenk.




5 Kalaymyo - Trinity Orphanage

Nachwuchs im Waisenhaus: Am 14. Juni 2012 feiert Ni Hre, der Waisenhausdirektor des Trinity Orphanage in Kalaymyo, die Geburt seines fünften Kindes. Es ist ein Sohn, den er auf den Namen "Moses Khawl Lian Thang" taufen läßt.

Wir haben ihn bereits vor einiger Zeit gebeten, nicht so viele eigene Kinder in die Welt zu setzen, sondern sich stattdessen verstärkt um bedürftige Waisenkinder zu kümmern. Dafür hat er schließlich die Unterstützung unseres Vereins erhalten. Für seine Frau war es eine sehr schwere Geburt. Sie will jetzt keine Kinder mehr bekommen.

Bau eines neuen Hauses mit Küche sowie Ess- und Schlafraum für die Arbeiter

U Ni Hre träumt schon seit geraumer Zeit davon, die kleine Bambushütte, die seit Jahren als Küche für das Waisenhaus dient, durch ein stabiles Gebäude zu ersetzen. Darin möchte er auch ein großes Esszimmer sowie einen Schlafraum für die Arbeiter am Kraftwerk und der Reismühle integrieren.

Bereits Anfang des Jahres 2012 schickt er uns einen maßstabsgerechten Bauplan für das geplante Haus und bittet uns um finanzielle Unterstützung für sein neues Projekt.

Wir erklärten ihm unmissverständlich, dass wir ihm dafür keine Mittel zur Verfügung stellen werden, da er, Dank unserer Hilfe, inzwischen auf eigenen Füßen steht. So kann er sich die erforderlichen Gelder für künftige Vorhaben nun selbst erwirtschaften. Falls das vorhandene Kapital zur Zeit nicht ausreicht, muss er mit dem Bau entweder so lange warten, bis er sich das Geld zusammen gespart hat oder stattdessen einen Kredit bei einer Bank aufnehmen. Da er genügend Sicherheiten zu bieten hat dürfte letzteres kein Problem darstellen. Unser Rat trifft nicht auf taube Ohren: Als wir ihn im Frühjahr 2013 besuchen ist das neue Gebäude auch ohne unsere Hilfe fertig gestellt und sehr wohnlich eingerichtet.

Nachbarschaftshilfe

Zu unserer großen Freude betreibt der Waisenhausdirektor U Ni Hre inzwischen auch eine aktive Nachbarschaftshilfe in Sanmyo: er unterstützt eine in seiner Nähe wohnende Frau, die aus den Chin-Bergen stammt und sich ihrerseits seit kurzem sehr liebevoll um ein junges Kachin-Mädchen kümmert, welches urplötzlich in Kalaymyo aufgetaucht ist.
Sowohl die örtlichen Behörden als auch die Militärs hegten anfangs den unglaublichen Verdacht, das junge Mädchen sei eine Spionin. Aus diesem Grund wurde die Frau, bei der das Mädchen Zuflucht gefunden hat, für einen Monat in Kalaymyo ins Gefängnis gesperrt. Erst später stellte sich heraus, dass das Mädchen infolge der unvermindert anhaltenden Kriegswirren im Kachin-State aus seiner Heimat geflüchtet ist.

Niemand weiß, wie es den langen, sehr beschwerlichen Weg bis hierher geschafft hat. Keiner weiß, welchem Stamm es angehört, ist es eine Jingpaw oder eine Lisu ? Wir erleben das Mädchen als armes, hilfloses Geschöpf: Es kennt nur seine Muttersprache „Kachin“ und kann sich mit niemandem unterhalten. Keiner kennt ihren Namen und niemand weiß, wie alt sie ist. Wir schätzen ihr Alter zwischen zwölf und siebzehn. Sie ist sehr verstört und unnahbar. Als wir sie fotografieren wollen steht panische Angst in ihrem Gesicht geschrieben. Sie versteht nicht einmal, dass sie unter Freunden ist.
Sie bekommt von uns einen Teddybär geschenkt, den sie sofort fest umklammert, als hätte sie nie zuvor ein Spielzeug besessen. Dann zeigen wir ihr eine Landkarte vom Kachin-State um zu erfahren, wo sie gewohnt hat. Sie kann aber offenkundig weder lesen noch schreiben.

Bilanz abgeschlossener Projekte

Das Kraftwerk

In 2012 ist die Anzahl der im Jahresdurchschnitt mit elektrischer Energie versorgten Häuser von 155 auf 129 gesunken. Gleichzeitig stiegen die Reparaturkosten um etwa 18,3 %.
Der Reinerlös aus dem Betrieb der „Rice Husk Power Station“ liegt daher im vergangenen Jahr bei knapp 1.000.000 Kyat, was einem Betrag von ca. 965 Euro entspricht.

Die Reismühle

Im dritten Betriebsjahr der Reismühle wurden nur noch 1.660 Säcke Reis verarbeitet, das entspricht einem Gesamtgewicht von knapp 50.000 Kg. Dementsprechend gingen die Einnahmen um fast ein Drittel zurück. Dies liegt an der relativ schlechten Reisernte in 2012. Trotzdem hat der Betrieb der Reismühle im vergangenen Jahr noch einen Betrag von knapp 615.000 Kyat (etwa 600 Euro) erwirtschaftet.

Das Telefon

Der Reingewinn aus dem Betrieb des öffentlichen Telefons ist in 2012 um etwa ein Viertel zurückgegangen. Dies ist eine direkte Folge des Fortschritts, der auch vor Birma nicht Halt macht. Das öffentliche Telefonnetz wird ständig erweitert, „Handys“ immer preiswerter und damit populärer. Trotzdem beträgt der Erlös noch etwa 230.000 Kyat (224 Euro).

Der Fischteich

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Erlös aus dem Fischteich noch einmal um etwa 19 Prozent zurückgegangen. Der Preis für Fisch ist zwar stabil geblieben, aber nächtliche Diebe haben dem Waisenhausdirektor zu Schaffen gemacht. So liegt der Profit im Jahre 2012 nur noch bei knapp 70.000 Kyat (etwa 67 Euro).




6. Kalaymyo - Hakha Diözese

Auch in diesem Jahr besuchen wir Father John Khup in der „Sankt Teresa Church“ im Stadtbezirk Tahan, um uns nach dem Wohlbefinden seiner Mutter und von Niang Bawi Len zu erkundigen. Beiden geht es prima.

Niang Bawi Len arbeitet nach wie vor in der Weberei, die von Johns Mutter geführt wird und macht einen sehr zufriedenen Eindruck.

Natürlich haben wir auch diesmal ein paar Geschenke für die Kleine mitgebracht.




7. Mandalay - Phaung Daw Oo

Am 30. April 2013 wird unser langjähriger Freund Sayadaw U Nayaka (im linken Bild 2.v.r.) durch Staatspräsident U Thein Sein (3.v.l.) in Nay Pyi Taw mit dem „President’s Excellence Award“ für seine Verdienste um die "Phaung Daw Oo Monastic Education Affiliated High School" ausgezeichnet.

U Nayaka hat diese Schule bereits im Jahre 1993 gegründet. Bis heute wird sie ausschließlich über Spendengelder finanziert. Wir gratulieren ihm von ganzem Herzen !


Aktuelles von unseren ehemaligen Studenten

Aung Tun Lay, der sein Studium der Chemie mit dem Bachelor of Technology (Ende 2010) und dem Bachelor of Engeneering (Ende 2011) abgeschlossen hat, arbeitet bereits seit mehr als einem Jahr im zukunftsträchtigen „Green Energy Project“ der Firma „Supreme Group of Companies“ nahe Nyaung Shwe am Inle Lake. Hier werden Biologische Düngemittel aus Seegras und Abfällen von Reismühlen in Verbindung mit Mikroorganismen hergestellt (siehe auch Khaung Tai - Aung Tun Lay).

Nay Win Myint hat nach dem erfolgreichen Abschluß seines Studiums der Geschichte seit Beginn des Jahres 2012 schon mehrere Weiterbildungsmaßnahmen in Angriff genommen, u.a. im Bereich der Informationstechnologie. Nach unserem letzten Erkenntnisstand ist er jedoch weiterhin auf der Suche nach einem geeigneten Job.

Win Min Hein musste aus familiären Gründen leider in sein Heimatdorf zurückkehren und wird sein Medizinstudium über eine Fernuniversität abschließen. Für die letzte Phase seines Studiums bedarf er daher keiner weiteren Unterstützung durch den Förderkreis Birma.

Tin Ma Ma Htet, unsere ehemalige Englischstudentin, hat inzwischen ein 2-Jahres-Stipendium aus Australien erhalten. Wir treffen sie im Thone Htat Kyaug in Yangon, wo sie auf ihr Visum von der australischen Botschaft wartet.

Aktuell vom Verein unterstützte Studenten

Ma Yi Lay Nwe hat ihr Medizinstudium an der Universität in Mandalay zum Ende des Jahres 2012 mit Bestnoten als Fachärztin für Gynäkologie abgeschlossen. Für das im Anschluss unentgeltlich abzuleistende praktische Jahr ist sie jedoch für weitere 12 Monate auf die Unterstützung unseres Vereins angewiesen.

Maung Pyay Zaw, ein 18jähriger exzellenter Schulabsolvent am PDO, möchte gerne Medizin studieren und wird uns beim Besuch der Monastic Education High School in Mandalay durch Daw Ni Ni Aung – der rechten Hand von Sayadaw U Nayaka – vorgestellt.

Nach Durchsicht seines „Curriculum Vitae“ sowie einem intensiven persönlichen Gespräch entscheiden wir uns, die Kosten für sein Studium zu übernehmen, welches etwa fünf Jahre dauern wird.
Gleichzeitig machen wir ihn mit unseren Spielregeln vertraut, welche einen regelmäßigen Kontakt via Email beinhalten. Wir sind überzeugt, dass er seinen Weg machen wird.

Die anderen vier Studenten können wir in diesem Jahr aus Zeitgründen leider nicht treffen. Dabei handelt es sich um

Hlaing Soe 5. Jahr Bauingenieur
Aung Zin Moe 5. Jahr CNC-Ingenieur
Thiha Soe 5. Jahr Medizin
Hein Htet Naing 3. Jahr Bauingenieur




8. Hsipaw - Ko Zaw Tun

8.1 Wasserbüffel

Die Möglichkeit einer regelmäßigen Korrespondenz mit unserem Projektleiter Ko Zaw Tun in Hsipaw im nördlichen Shan State läßt nach wie vor zu Wünschen übrig. Seit dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Frühjahr 2012 und dem damit verbundenen, notwendigen Verkauf unserer Wasserbüffel in ein sicheres Gebiet erreicht uns Anfang Juli 2012 zum ersten Mal eine Nachricht. Diese besteht jedoch nur aus dem Fragment eines eingescannten Briefes, nämlich der letzten Seite. Auf dieser schreibt Ko Zaw Tun, daß „Miss Moon“ (das Mondmädchen) und „Mauk Kham“ (die goldene Blume) in Sicherheit sind und sich bester Gesundheit erfreuen.

Den beiden Büffelkindern geht es also gut. Über das Schicksal ihres gemeinsamen Vaters Aik Lum und deren Mütter Ae Mauk und Ae Mae wissen wir hingegen lange Zeit nichts. Während unseres Aufenthalts in Birma im Frühjahr des Jahres 2013 erreicht uns dann die überaus erfreuliche Nachricht, dass auch die drei erwachsenen Wasserbüffel am Leben sind und sich bereits sehr gut an ihren neuen Pfleger gewöhnt haben.




8.2 Umweltprojekt und Micro Credit

Der Oberbürgermeister von Hsipaw – Thein Htike Oo – ist im vergangenen Jahr versetzt worden, nachdem er zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung der Umweltbedingungen in die Tat umgesetzt hat. Von Ko Zaw Tun erfahren wir, dass er sein inzwischen ausgeprägtes Umweltbewusstsein erfolgreich an seinen Nachfolger weitergeben konnte.

Unser Micro Credit Projekt, welches unverändert von Ko Zaw Tun und Daw Khin Than Win - einer ehemaligen NGO-Mitarbeiterin - betreut wird, ist ein erfolgreicher, von Nachhaltigkeit geprägter „Selbstläufer“.

Von den Zinserträgen werden in diesem Jahr neben dem Schulgeld auch Lehrbücher, diverses Schreibmaterial sowie die obligatorischen Schuluniformen für mehr als fünfundvierzig bedürftige Schulkinder aus ärmlichen Verhältnissen bezahlt, deren Eltern ihre Kinder sonst nicht zum Unterricht schicken könnten.




9. Mögliche zukünftige Projekte

9.1 Kalaymyo - Marfels III

Seit Beginn unserer Studenten Förderung in Mandalay kennen wir den obersten Abt der dortigen Monastic Education High School Phaung Daw Oo (PDO), den buddhistischen Mönch Sayadaw U Nayaka. Die Entwicklung seines richtungweisenden Projekts „Marfels II“ als Ausbildungszentrum für Gartenbau in Theorie und Praxis, welches er in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein „Myanmar Partner e.V.“ unter der Leitung von Dr. Christian Runge aus Saarbrücken betreibt, beobachten wir seit etwa drei Jahren mit großer Aufmerksamkeit. Detaillierte Informationen über dieses Projekt finden Sie unter http://www.myanmar-partner.de.

Der Förderkreis Birma e.V. möchte es sich zur Aufgabe machen, das erfolgreiche Konzept von „Marfels II“ auch in andere Landesteile Birmas zu tragen. Das erste bereits in Planung befindliche Projekt soll unter dem Namen „Marfels III“ in der Umgebung von Kalaymyo verwirklicht werden. Aus diesem Grund beabsichtigen wir in Zusammenarbeit mit Myanmar Partner e.V. in naher Zukunft einen gemeinsamen Antrag auf Fördergelder beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu stellen.

Während unseres Birma-Aufenthalts im Frühjahr 2013 konnten wir bereits ein geeignetes Gründstück für Marfels III ausfindig machen. Es befindet sich im Taung Pyi La Bezirk des Stadtteils Tahan von Kalaymyo. Das Gelände gehört der katholischen Gemeinde der St. Theresa Church, hat eine nutzbare Fläche von etwa 6.250 m2 und besteht aus zwei Bereichen:

Der westliche Teil ist zur Zeit noch ein alter Friedhof mit einer Grundfläche von 2.700 m2. Von diesem sind aber bereits fast alle Gräber auf einen neuen Friedhof außerhalb der Stadt umgesiedelt worden. Die Umbettung der verbleibenden Gräber wird Ende 2013 abgeschlossen sein. Dieser Bereich ist für die Erstellung der im Rahmen des Projekts erforderlichen Gebäude prädestiniert, um

- Schlafräume für die Lehrkräfte,
- Schlafräume für die Studenten
- Unterrichtsräume für die Ausbildungskurse
- Küche für die tägliche Essensversorgung sowie
- Toiletten und Duschen bereit zu stellen.

Zwischen dem ehemaligen Friedhof und der westlichen Grundstücksgrenze befindet sich ein kleiner Hain mit Franchipani Bäumen, in deren Halbschatten sonnenempfindliche Pflanzen angebaut werden können. Der östliche Teil hat eine nutzbare Fläche von 3.550 m2 und eignet sich hervorragend für die Anpflanzung diverser Gemüse- und Obstsorten im Rahmen der praxisbezogenen Schulungsmaßnahmen. Neben vielen Zitronenbäumen und Bananenstauden befinden sich hier auch zwei Bambus-Häuser, welche derzeit von drei Menschen bewohnt werden. Außerdem gibt es einen Brunnen, der jedoch nur eine Tiefe von etwa drei Metern besitzt und während der Trockenzeit schnell versiegt.

Das Grundstück liegt etwa 1,5 Kilometer südlich der Hauptstraße des Tahan Township und ist vom Stadtzentrum Kalaymyos knapp 8,5 Kilometer entfernt. Während der Regenzeit ist das Gelände sicher vor Überflutung. Parallel zum Grundstück verläuft die Stromleitung eines lokalen Energieversorgers. Zur Wasserversorgung müssen 2 bis 3 Brunnen gebohrt werden. Father John Khup, den wir bereits vor vielen Jahren über Bischof Nicholas und Bischof Felix an der Diözese Hakha kennen gelernt haben, versichert uns, dass die katholische Gemeinde der St. Theresa Church das Grundstück für das in Planung befindliche Schulungsprojekt kostenlos und ohne Auflagen bereitstellen wird.




9.2 Khaung Tai - Aung Tun Lay

In diesem Jahr haben wir unseren ehemaligen Chemie Studenten Aung Tun Lay bei seinem ersten Arbeitsgeber, der „Supreme Group of Companies“ in Khaung Tai am Inle Lake, besucht. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion biologischer Düngemittel spezialisiert und beschäftigt zur Zeit 23 Mitarbeiter in der Produktion, der Verwaltung und der Vermarktung.

Der Direktor erklärt uns, dass zur Herstellung der Biomasse neben kohlenstoffhaltigen Reismühlenabfällen und Reiskörnern minderer Qualität insbesondere stickstoffhaltiges Seegras und Algen aus dem nahe gelegenen Inle-See unter Zugabe von aerobischen Mikroben (Import aus Malaysia) und Wasser verwendet werden. Die Feuchtigkeit von Seegras und Algen wird zuvor durch Zentrifugieren um etwa 60% reduziert. Dann wird das Material zerkleinert, im Verhältnis von etwa 65:35 mit Reisabfällen gemischt und mit den Mikroben ausgebracht.

Unter Zugabe von Wasser wird die ausgebrachte Biomasse regelmäßig umgepflügt. Die Dauer des Umsetzungsprozesses durch die Mikroben beträgt etwa 2 Monate. Anschließend wird der biologische Dünger für den weiteren Transport in Säcke gefüllt.

Das für die biologische Stickstoff-Fixierung durch Mikroorganismen bedeutsame C/N-Verhältnis von etwa 1:2,5 hat eine schnelle Düngewirkung zur Folge, im Gegensatz zu chemischem Dünger (C/N ~ 1:40) jedoch keine große Langzeitwirkung. Dementsprechend liegt der Preis für einen 50 Kg Sack mit 7.500 Kyat bei nur einem Drittel des Preises für chemischen Dünger. Für das Projekt Marfels II bei Mandalay erhalten wir einen Sack Bio-Dünger kostenlos. Die Studenten werden sich über einen Forschungsauftrag für eine Vergleichsstudie mit chemischem und biologischem Dünger freuen. Die Kontakte für eine künftige Zusammenarbeit sind geknüpft.




9.3 Yangon - U Par Ni

U Par Ni ist vierundvierzig Jahre alt, von Beruf Fischer und lebt im Dorf Kantha in der Nähe der Stadt Labutta südlich von Pathein im Delta des Flusses Ayeyarwady. Seit seinem einundzwanzigsten Lebensjahr leidet er unter einer seltenen Krankheit, die unter dem Namen Neurofibromatose oder auch Morbus Recklinghausen bekannt ist. Die gutartigen Nerventumore werden durch einen Gen-Defekt hervorgerufen. Daher gibt es noch keine Behandlungsmöglichkeit, um ihre Ursache zu beseitigen.

Die professionelle Innenarchitektin Daw Shwe Ni Lar, die übrigens auch als Malerin sehr begabt ist, und der buddhistische Mönch A Shin Wimala vom Kloster Aung Thu Kha in einem Vorort von Yangon haben sich seiner angenommen. Offensichtlich haben die beiden von Ko Myint Aung’s kostenloser Operation durch den deutschen Chirurgen Dr. Schöneich aus München im Jahre 2011 erfahren, deren Folgekosten vom Förderkreis Birma übernommen wurden. Daher versuchen sie, über Ko Myint Aung, dem Manager des Beautyland Hotel I in Yangon, Kontakt mit uns aufzunehmen.

Wir treffen die beiden zum ersten Mal am 02. März 2013 und erhalten einige Fotos von U Par Ni, die uns sehr schockieren. Daw Shwe Ni Lar erzählt uns, dass der Fischer mangels finanzieller Mittel noch nie untersucht, geschweige denn operiert werden konnte. In jungen Jahren hat er sich die fleischigen Wucherungen einfach mit einem Taschenmesser entfernt. Glücklicherweise hat er erkannt, dass dies im fortgeschrittenen Stadium seiner Krankheit nun zu riskant wäre. Im Gegensatz zu Ko Myint Aung, bei dem die geschwulstartigen Auswüchse nicht nur äußerlich sichtbar waren, sondern bereits die Hälfte seiner Mund-Innenhöhle ausgefüllt hatten, sind diese bei U Par Ni nur äußerlich ausgeprägt. Obwohl es nicht so aussieht: weder die Oberlippe noch das linke Auge sind von den Auswüchsen der Krankheit betroffen. Die untere Geschwulst wächst aus dem Bereich zwischen Nase und Oberlippe und kann zum Essen angehoben werden. Und das linke Auge ist voll funktionsfähig, da die Geschwulst hier aus dem Bereich der Augenbraue wächst und ebenfalls angehoben werden kann.

U Par Ni hat übrigens drei Kinder im Alter von 8, 12, und 19 Jahren. Bei keinem von ihnen sind bislang Anzeichen von Neurofibromatose erkennbar. Wir erfahren, dass U Par Ni für den 07. März einen Termin zur Voruntersuchung in der neurologischen Abteilung des „General Hospital“ in Yangon bekommen hat. Zu diesem Termin wird auch ein ausländischer Arzt anwesend sein. Ob es sich dabei um Dr. Schöneich handelt, können wir nicht erfahren. Leider werden wir Birma bis dahin verlassen haben, so dass wir U Par Ni nicht persönlich kennenlernen werden und ihn auch nicht ins Krankenhaus begleiten können. Daher bitten wir Daw Shwe Ni Lar, uns sowohl die Ergebnisse der Untersuchung als auch die Namen der an der Expertise beteiligten Ärzte mitzuteilen.

Die Kommunikation mit Daw Shwe Ni Lar und A Shin Wimala wird nicht ganz einfach sein: Daw Shwe Ni Lar spricht zwar hervorragend Englisch, kann aber weder Englisch lesen noch schreiben. Sie besitzt auch keine Email-Adresse. A Shin Wimala kann hingegen Englisch lesen und schreiben, jedoch nicht sprechen. Aber wir können ihn über seine persönliche Email-Adresse kontaktieren.




9.4 Kalaymyo - Grundschule

Während eines Besuchs bei U Ni Hre, dem Waisenhausdirektor des Trinity Orphanage, machen wir Bekanntschaft mit U Ngay Aung, einem pensionierten Lehrer aus Kalaymyo. Er möchte gerne eine Grundschule im Myothit Township errichten. Dieser Ortsteil wurde erst kürzlich aus dem Boden gestampft, um Hunderte Familien umzusiedeln, welche der Erweiterung des Flughafens von Kalaymyo weichen mussten.

U Ngay Aung erzählt uns, dass das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt wird und bittet uns um Unterstützung. Wir erklären ihm, dass die Besitzverhältnisse nach Übertragung des Baulands bereits im Vorfeld notariell beglaubigt werden müssen, damit das Grundstück im bebauten Zustand nicht wieder vom ursprünglichen Besitzer vereinnahmt werden kann. Außerdem ist es erforderlich, konkrete Vorstellungen über die bautechnischen Anforderungen zu formulieren und ein belastbares Finanzierungskonzept vorzulegen.
Wir empfehlen ihm auch, sich parallel bei anderen Organisationen um Unterstützung zu bemühen und schlagen ihm vor, die Kosten für sämtliche Schreinerarbeiten wie Bedachung, Fenster, Türen und Schulmöbel zu übernehmen, sobald das Gebäude im Rohbau fertig gestellt ist. Nach einem Ortstermin raten wir ihm, erst mit dem Bau zu beginnen, wenn die Zugangsstrassen fertig gestellt sind. Sonst ist das Gelände während der Regenzeit nicht erreichbar.




10. Statistik der verteilten Geld- und Sachspenden

Seit unserem letzten Besuch im Frühjahr 2012 haben wir Spendengelder in Höhe von exakt 4.994,76 Euro für Hilfsprojekte in Birma ausgegeben. Diesem Betrag standen zusätzliche Sachspenden - insbesondere hochwertige Medikamente, optische Brillen und medizinische Instrumente - im Gesamtwert von etwa 10.220 Euro gegenüber. Dies entspricht mit einer Gesamtsumme von ca. 15.215 Euro im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um etwa 41 %.




11. Danksagung

An dieser Stelle möchten wir all denjenigen Freunden von ganzem Herzen danken, die mit ihren großzügigen Geld- und Sachspenden einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg unserer diesjährigen Hilfsaktionen in Birma geleistet haben. Dazu zählen insbesondere:

Rose-Marie André
Ingrid & Arne Bernhardt
Johanna & Gregor Birnfeld
Dr. Susanne Biwer
Elisabeth Börger
Marie Burlet
Dr. Irmgard Claßen-Linke
Brigitte & Frank Dannenbauer
Brigitte Dieckmann
Karin Ensing
Beate & Erhard Funke
Francis Gilis
Ingrid & Andreas Gorbach
Wolfgang Graulich
Simone Hessel
Michael Houben
Ute Hüllenkrämer
Bernadette & Orhan Ilgen
Andreas Jabs
Daniela Jahn
Brigitte Kennel
Dr. Thomas Keusen
Peter Klippel
Sven Kreiten
Traudel & Klaus Krüger
Stephanie & Hubertus Lemken
Dr. Jochen Linke
Birgit Lorenz
Michael Marx
Pascal Nießen
Melanie Otermans
Heinz-Josef Penkalla
Jörg Pfander
Andrew Pike
Ellen Ruppenkamp
Santiago Salinero
Arno Schleicher
Dr. Jürgen Schleppegrell
Eva & Ludwig Schwartz
Gerda & Friedhelm Sieland
Holger Siewert
Roswitha & Walter Stollmann
Dominique Tavian
Werner Tesch
Gerd Türk
Ute Wagner-Förster
Franz-Josef Zinken
Christine Zintzen



sowie

Air KBZ (Myanmar),
Firma BET GmbH (Aachen),
Firma SOPTIM AG in Aachen,
Sparkasse Aachen,
Stud. Reisen A-Z GmbH (Aachen),
Techniker Krankenkasse Aachen,
Vietnam Airlines International

und

Dr. U Soe Shwe (Dozent am Lehrstuhl für Geologie der Universität Kalaymyo)
Saya Ko Oo (Thone Htat Kyaung, Yangon)
U Win Nyunt (Phaung Daw Oo, Mandalay)
Daw Ni Ni Aung (Phaung Daw Oo, Mandalay)
Ko Zaw Tun (Hsipaw)
Daw Khin Than Win (Hsipaw)

Darüber hinaus bedanken wir uns ganz herzlich bei Herrn Robert Müller, M. Francis Gilis und Mme Rose-Marie André, M. Charly Demant sowie Mme Marie Burlet und dem Ehepaar Irmgard und Willem de Regt, die im Rahmen ihres Urlaubs in Südostasien in den Jahren 2012-2013 u.a. zahlreiche Brillen, Zahnarztbesteck, Medikamente und viele Gebrauchsgegenstände für unseren Verein nach Birma transportiert haben.


Aachen, im Oktober 2013

Brigitte Ransoné (Vorsitzende Förderkreis Birma e.V.)
und Gerd Ransoné (stellvertretender Vorsitzender)




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