Unsere Vereinsaktivitäten im Jahre 2008



Mandalay: Phaung Daw Oo – Schule und Waisenhaus

Wie bereits im vergangenen Jahr fahren wir auch diesmal zum "Phaung Daw Oo", der wohl größten Schule in Birma für Kinder aus sehr armen Verhältnissen, wo uns die beiden Gründer - die buddhistischen Mönche U Nayaka und sein Bruder U Zawtika - bereits voller Freude erwarten. Sie zeigen uns die seit letztem Jahr fertiggestellten Gebäude für diverse Arztpraxen, das sich noch im Bau befindliche, neue Jungeninternat sowie die ebenfalls neue, im Vergleich zum Vorjahr stark vergrößerte Schreinerwerkstatt, in der uns auch in diesem Jahr wieder der deutsche Ausbilder Horst Philippi begegnet. Die Erfolge seines Engagements sind nicht zu übersehen. U Nayaka organisiert kurzfristig ein Treffen mit Ärzten der Allgemeinmedizin sowie der Augen- und Dentalklinik, denen wir u.a. 200 gepuderte Einweghandschuhe, ca. 45 optische Brillen, ein 22-teiliges Zahnarztbesteck (Küretten, Zangen etc.) sowie 180 Zahnarztbohrer übergeben. Dann gibt’s ein frohes Wiedersehen mit den beiden Studenten Win Min Tun (Elektrotechnik) und Aung Tun Lay (Chemie), die wir bereits seit einem Jahr unterstützen. Zu unserer vollen Zufriedenheit berichten sie uns über den Verlauf ihres vergangenen Studienjahres und über ihre bestandenen Prüfungen.

Schließlich erkundigen wir uns beim Schulleiter U Nayaka nach weiteren geeigneten Studienanwärtern, lesen die Biographien diverser Kandidaten und entscheiden uns nach persönlichen Gesprächen für zwei Schüler und eine Schülerin, die an der Universität Mandalay studieren möchten: Win Min Hein, Ma Yi Lay Nwe sowie Chan Pyae Htay, der sein Studium inzwischen aus familiären Gründen an der Universität in Magwe aufgenommen hat, aber im kommenden Jahr an die Universität Mandalay wechseln wird. Damit finanzieren wir nun die Universitätsausbildung für 5 Studenten.
Später treffen wir noch Ruedi Weber, einen Informatiker aus der Schweiz, der jedes Jahr für etwa drei Monate hierher kommt, um kostenlos Computerkurse zu geben. Er erzählt uns, daß eine Gruppe von Schülern des Phaung Daw Oo inzwischen sogar die Webseiten für das Golden Mandalay Hotel sowie für einen berühmten Architekten in Zürich entworfen hat.




Mandalay: Ba Maung – Trishaw Driver

Infolge der gewaltsam niedergeschlagenen, friedlichen Demonstrationen im vergangenen Herbst sind zahlreiche Touristen kurzfristig auf andere Urlaubsländer ausgewichen, manche Quellen sprechen gar von einem Rückgang um etwa 90 Prozent. Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind mal wieder die Ärmsten der Armen, zu denen auch zahlreiche "Trishaw-Driver" gehören, Menschen, die ihren täglichen Lebensunterhalt mit Hilfe eines Fahrradtaxis bestreiten. Unseren Freund Ba Maung hätte die gegenwärtige Situation fast in den Ruin getrieben. Im Kampf ums nackte Überleben war er nahe daran, sein Trishaw zu verkaufen, um seine Familie ernähren zu können.
Da kamen wir gerade rechtzeitig, um ihm aus der Patsche zu helfen: Freunde aus den Niederlanden, die er zwei Jahre zuvor in Mandalay kennengelernt hatte, baten uns kurzfristig, ihm einen ausreichenden Geldbetrag zu übergeben. So kann er zumindest die schwierige Nebensaison überbrücken, in der Hoffnung, daß zum Ende der Regenzeit wieder mehr Touristen ins Land kommen werden. Tun Tun, ebenfalls ein langjähriger Freund und Trishaw-Driver in Mandalay, scheint seine existentiellen Probleme dagegen schon in den Griff bekommen zu haben. Nicht zuletzt durch unsere Unterstützung in den vergangenen Jahren konnte er sich inzwischen ein kleines Stückchen Land kaufen und wohnt heute mit seiner Familie in einer eigenen, wenn auch bescheidenen Bambushütte. Im Herbst 2007 haben sie ihr zweites Kind, eine süße kleine Tochter, bekommen.




Hsipaw: Ko Zaw Tun – Buchhändler

In Hsipaw, einer beschaulichen Kleinstadt im nördlichen Shan-Gebiet, besuchen wir mal wieder den Buchhändler Ko Zaw Tun, mit dem uns eine langjährige Freundschaft verbindet. Diese reicht bereits in das Jahr 1996 zurück. Seit geraumer Zeit wissen wir, sein ausgeprägtes soziales Engagement zu schätzen und versuchen, seine Aktivitäten so gut wie möglich zu unterstützen und neue, konstruktive Ideen einzubringen. Wir treffen ihn auch diesmal wieder in seinem kleinen Buchladen. Natürlich ist er sehr überrascht, uns zu sehen, hat er uns doch erst in einer Woche erwartet. Ko Zaw Tun erzählt uns ausführlich, was er seit unserem letzten Treffen so alles gemacht hat und gibt uns einen detaillierten Einblick in all seine Aktivitäten, über die er penibel Buch geführt hat. Dann plaudern wir über seine aktuellen Zukunftspläne und unsere gemeinsamen Vorhaben während der nächsten zwei Tage.

Am anderen Morgen begeben wir uns auf eine regelrechte "Gemeinnützigkeitstour". Unsere erste Station ist die recht bescheidene Klinik gegenüber unseres Gästehauses, wo sich die Ärzte über unsere hochwertigen Medikamente freuen. Von diesen wußten sie nur, daß sie völlig neuartig und sehr teuer sind. Nun erfahren sie auch, wie sie wirken.
Anschließend besuchen wir noch weitere Ärzte für Allgemeinmedizin, denen wir neben blutdrucksenkenden Medikamenten auch hunderte von gepuderten Einweghandschuhen sowie Geräte zur Messung des Blutdrucks und des Blutzuckergehalts mitgebracht haben. Der örtliche Dentist freut sich über unser 42-teiliges Zahnarztbesteck. Am Nachmittag wandern wir - mit etwa 40 optischen Brillen im Gepäck - zu den umliegenden Dörfern, wo wir uns vornehmlich um die älteren Bewohner mit akuter Sehschwäche kümmern. Der Augenblick, in dem eine betagte Frau beim Ausprobieren unserer Brillen plötzlich einen Schrei der Begeisterung ausstößt, weil sie wieder lesen kann, zählt nach wie vor zu den unvergesslichen Momenten, die wir im Laufe der Jahre schon des öfteren hautnah erleben durften.

Am Spätnachmittag besuchen wir schließlich ein Dorf, in dem wir bereits vor zwei Jahren einen Wasserbüffel für drei Familien gekauft haben, deren Reisfelder aneinander grenzen. Der Büffel ist heute etwa 5½ Jahre alt und wird von seinen Besitzern liebevoll "Aik Lum" genannt, was in der Sprache der Shan soviel wie "Starker, schwarzer Mann" bedeutet. Als wir ins Dorf kommen, kehrt Seng Sai mit dem Büffel gerade vom nahegelegenen Fluß zurück. Sein liebevoller Umgang mit dem Tier macht uns sehr glücklich. Aik Lum ist sehr sensibel, zittert am ganzen Körper, als er uns erblickt und bleibt wie angewurzelt stehen, ja er hört sogar auf zu kauen. Offenbar hat er mächtig Angst vor den bleichgesichtigen Langnasen.
Im Nu werden wir zum Tee ins Haus von Seng Sai eingeladen und diskutieren ausführlich über die mögliche Anschaffung einer Partnerin für Aik Lum, da dieser ja inzwischen geschlechtsreif ist und den drei Familien durch seinen Nachwuchs ein zusätzliches Einkommen verschaffen könnte. Kaum haben wir die Finanzierung der Futtermittel geklärt, da ist die "Freundin" für Aik Lum auch schon beschlossene Sache.
Zum Abschluß unseres Besuchs stocken wir noch den Micro-Credit auf, über den seit geraumer Zeit arme Familien unterstützt, defekte Hausdächer repariert und die Schulgelder für sieben Kinder bezahlt werden.




Kalaymyo: Ni Hre – Waisenhaus (Trinity Orphanage)

Reverend Robert Ni Hre, den Betreiber eines Waisenhauses in Kalaymyo an der Grenze zum Stammesgebiet der Chin, haben wir bereits im Jahre 2005 kennengelernt und unsere Adressen ausgetauscht. Seit dieser Zeit haben wir ihn zwar nicht mehr getroffen, den Kontakt zu ihm aber dennoch nicht verloren.
In diesem Jahr möchten wir ihn und seine Waisenkinder auf jeden Fall besuchen, um seine Projekte finanziell zu unterstützen. Es geht dabei insbesondere um die Einfriedung des Waisenhausgrundstücks zum Schutz vor Hochwasser während der Regenzeit und um die Vergrößerung des Grundstücks durch Zukauf von etwa 340 m2 Land zum Anlegen eines großen Gemüsegartens.
Leider gibt es große organisatorische Probleme: keine Flüge und keine Genehmigung durch die Militärjunta, auf dem Landweg nach Kalaymyo zu reisen. Glücklicherweise können wir Ni Hre telefonisch erreichen und ihn dazu bewegen, so bald wie möglich nach Mandalay zu kommen, für ihn eine elfstündige Busfahrt. Auf diese Weise treffen wir Ni Hre bereits am nächsten Morgen in Begleitung seines Bruders Yann. Gemeinsam gehen wir in die Kneipe um die Ecke, trinken Wasser, malen Grundstücke, rechnen Flächen aus, legen einen Gemüsegarten an, bauen eine Eindämmung und überlegen, was den reichen Chinesen dazu bewegen könnte, sein Land entlang des Flusses etwas billiger zu verkaufen.

Schließlich düsen wir in die Reiseagentur "Seven Diamond", um dort Geld zu wechseln. Die Zeit drängt, da wir das Geld anschließend noch zur Yoma Bank bringen müssen, diese aber bereits in einer knappen Stunde schließt. Wie immer, wenn wir Geld tauschen müssen, fällt der Kurs, und in Mandalay ist er ohnehin immer etwas niedriger. Mit viel Geduld und Taschenrechner finden wir schließlich eine Lösung und verlassen die Agentur mit einer schweren Reisetasche voller Geldscheine. Die Yoma Bank ist glücklicherweise direkt um die Ecke. Was die Römer früher sagten, stimmt in Birma nicht: pecunia olet, und zwar so kräftig, daß die Bankangestellten, die mit dem Geldzählen beauftragt sind, einen Mund- und Nasenschutz tragen. Später machen wir noch ein paar Fotos vor der Bank, bis es einem Offiziellen einfällt, daß dies absolut verboten ist. Dann bringen wir die leere Geldtasche zurück.

Inzwischen ist es bereits Nachmittag geworden und damit Zeit, um auf den Beginn des neuen Projekts anzustoßen. Schließlich gibt es ja auch noch allerhand Papierkram zu erledigen: eine Spendenquittung für den Förderkreis Birma ausfüllen und die Bankpapiere fotokopieren. Außerdem reden wir auf die beiden ein, daß sie sich umgehend um zwei richtige Sitze für den Bus nach Kalaymyo bemühen, damit sie bei der anstrengenden Rückfahrt nicht schon wieder elf Stunden lang auf den unbequemen, niedrigen Holzschemeln reisen müssen.

Nach einem gemeinsamen Abendessen verabschieden wir uns von unseren Freunden und geben ihnen noch diverse nützliche Dinge mit auf den Weg, u.a. fiebersenkende Medikamente für Kleinkinder, jede Menge Zahnbürsten und Zahnpasta sowie reichlich Schreibmaterial und Spielzeug.
Inzwischen war Ni Hre nicht untätig. Unmittelbar nach seiner Rückkehr hat er das benachbarte Grundstück für den künftigen Gemüsegarten erworben. Das Grundstück des Waisenhauses vergrößert sich damit auf etwa 840 m2. Außerdem wurden sofort die Fundamente für die Einfriedung ausgehoben und mit dem Bau der Ziegelmauer begonnen.
Damit ist nun die Gefahr, daß eines der Kinder zur Regenzeit beim Spielen ertrinken könnte, gebannt. Stolz zeigt uns Ni Hre sein Werk. Auch der Gemüsegarten ist vorbereitet, jetzt mag die Regenzeit in aller Ruhe kommen.




Thawng Luai Mang (John) und Mang Hlei Tial (Emily) – Lehrer-Ehepaar

Bereits im Jahre 2005 haben wir Emily und John kennengelernt, ein sehr nettes Lehrer-Ehepaar aus Falam, der zweitgrößten Stadt im Chin-State, welcher im Nordwesten Birmas an Indien und Bangladesh grenzt. Dort betreuen sie eine Schule, die mit etwa 450 Schülern und Schülerinnen wohl die größte im gesamten Chin-State sein dürfte. Eigentlich wollten wir die beiden in der Stadt Kalaymyo treffen, die etwa eine Tagesreise von Falam entfernt liegt. Leider mußten wir dieses Vorhaben aber aufgeben, weil alle Flüge storniert wurden und wir keine Genehmigung von der Militärjunta bekommen haben, auf dem Landweg dorthin zu reisen.
Schließlich haben wir dem Betreiber des Trinity Orphanage, unserem Freund Ni Hre und seinem Bruder, eine große Reisetasche mit warmer Kleidung, Schreibmaterial und jede Menge Zahnbürsten und Zahnpasta mit der Bitte ausgehändigt, diese von Kalaymyo aus direkt nach Falam zu schicken.




Yedashe: U Myint Soe – Trishaw Driver

Unser langjähriger Freund U Myint Soe, ein Trishaw-Driver aus Mandalay, mußte bereits im Frühjahr vergangenen Jahres seine recht bescheidene Hütte verlassen, nachdem reiche Chinesen das gesamte Gelände im Randgebiet von Mandalay aufgekauft haben. Da er kurzfristig keine andere Bleibe in Mandalay finden konnte, ist er inzwischen mit seiner Familie nach Yedashe umgezogen, dem Geburtsort seiner Frau. Das Dorf liegt etwa auf halbem Weg an der Bahnlinie zwischen Yangon und Mandalay. Heute betreibt seine Frau dort einen kleinen Laden, durch den die Kosten des alltäglichen Lebens aber kaum abgedeckt werden.

U Myint Soe ist durch verschiedene Krankheiten in der jüngsten Vergangenheit bereits körperlich sehr geschwächt, eigentlich aber auch schon fast zu alt, um den Beruf eines Trishaw-Drivers ausüben zu können, so daß wir angestrengt darüber nachdenken, welche berufliche Tätigkeit eine mögliche und gleichzeitig zumutbare Alternative für ihn darstellen könnte. Ein denkbarer Ausweg aus seiner gegenwärtigen, mißlichen Lage könnte etwa darin bestehen, ein genügend großes Stück Land in Yedashe zu pachten, dort Gemüse und Obst anzubauen und die Feldfrüchte auf dem Markt oder im Laden seiner Frau zu verkaufen. Dies wäre mit Sicherheit eine lohnenswerte Einnahmequelle, zumal in der Ebene des Ayeyarwadi-Flusses dreimal pro Jahr geerntet werden kann. Auch der Anbau von Blumen kann sehr lukrativ sein.

Über unseren Verein finanzieren wir auf jeden Fall auch in diesem Jahr das Schulgeld für seine drei Kinder, damit die es später einmal besser haben werden.




Kyaing Tong: Dr. Myint Zaw und Dr. Zin Ma Oo – Arzt-Ehepaar (Zetamin Klinik)

In Kyaing Tong besuchen wir auch in diesem Jahr das Arzt-Ehepaar Dr. Zin Ma Oo und Dr. Myint Zaw in ihrer Klinik, wo die Patienten schon wieder Schlange stehen.
Wir lernen ihre neuen Mitarbeiterinnen Sao und Suk kennen und organisieren ein gemeinsames Abendessen mit der Anästhesistin Dr. Miu, dem Gynäkologen Dr. Lu Pa und dem Zahnarzt Dr. Gee No, der sich über unsere mitgebrachten Scaler freut. Bis in den späten Abend hinein erläutern wir ihnen die deutschen Packungsbeilagen unserer Medikamente auf Englisch.




Überall: Verteilung von Geschenken

Auch in diesem Jahr haben wir wieder viele ländliche Gebiete abseits der ausgetretenen, touristischen Trampelpfade besucht. Dazu zählen insbesondere die vielen umliegenden Dörfer der im nördlichen Shan-State gelegenen Kleinstadt Hsipaw, der wir uns - nicht zuletzt durch unseren langjährigen Freund Ko Zaw Tun - seit mehr als zehn Jahren eng verbunden fühlen.
An vielen Orten haben wir Geschenke verteilt, darunter viel Spielzeug für die Kinder, vor allem aber nützliche Dinge wie z.B. warme Kleidung, Zahnbürsten und Zahnpasta, Seifen und Haarshampoo, Nähzeug, Schreibutensilien, Taschenrechner mit Solarzellen, Kerzen und Kerzenständer sowie batterielose, mechanisch aufladbare Akku-Taschenlampen.
Später haben wir zahlreiche Siedlungen ethnischer Stämme in den Bergen rund um Kyaing Tong, der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Dreiecks, sowie um die recht exotisch anmutende Stadt Mongla im östlichen Grenzgebiet des südlichen Shan-State zu China besucht, so etwa den Stamm der Loi Wa im Dorf Wan Naung Lon. Hier haben wir vor allem warme Kleidung und umweltfreundliche Stofftaschen verteilt.





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