Rice Husk Power Station in Kalaymyo 2009 (umweltfreundliches Kraftwerk)

Biogasanlage am neu erbauten Kraftwerk in Kalaymyo
  1. Vorwort

  2. Planung

  3. Realisierung

  4. 3.1.   Erwerb eines geeigneten Grundstücks
    3.2.   Besorgung einer Baugenehmigung
    3.3.   Errichtung des Kraftwerksgebäudes
    3.4.   Bau der Grundstückseinfriedung
    3.5.   Installation der Vergasungsanlage
    3.6.   Beschaffung des Verbrennungsmotors
    3.7.   Kauf des Drehstromgenerators
    3.8.   Errichtung des elektrischen Netzes
    3.9.   Anschluß der Verbraucher
  5. Einweihung
  6. Wirtschaftlichkeitsanalyse
  7. Ausblick
  8. Technische Daten zum Kraftwerksprojekt
  9. Statistik der Projektkosten
  10. Weiterführende Literatur
  11. Danksagung


1. Vorwort

Nach all den turbulenten Jahren der jüngsten Vergangenheit ist nun wieder etwas Ruhe eingekehrt in Birma, dem einst wohl reichsten Land Südostasiens. Zwar sind die tiefgreifenden Wunden der brutal niedergeschlagenen Safran-Revolution vom Herbst 2007 sowie des verheerenden Wirbelsturms Nargis im Frühjahr 2008 noch längst nicht verheilt. Dennoch lassen sich die Menschen in ihrer misslichen Lage nicht entmutigen, sondern schmieden Pläne für eine bessere Zukunft - für ihre eigene wie auch die ihrer Kinder.
Solange der Mensch Pläne hat, merkt er, daß er noch lebt. Doch häufig fehlen die finanziellen Mittel, diese in die Tat umzusetzen, insbesondere in einem Land wie Birma, welches heute zu den zehn ärmsten Ländern der Erde zählt.
Der Förderkreis Birma e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe diverse Projekte in Birma ins Leben zu rufen und zu finanzieren, insbesondere im Bereich des Gesundheitswesens, der Bildung und Erziehung, der Vermittlung eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur sowie der Nutzung regenerativer Energien.
Bereits im zweiten Jahr unserer Vereinsgeschichte haben wir es - dank des erfreulich hohen Spendenaufkommens - geschafft, ein schon im Frühjahr 2008 geplantes Großprojekt am Trinity Orphanage in Kalaymyo an der Grenze zum Stammesgebiet der Chin im Nordwesten Birmas zu realisieren: den Bau eines umweltfreundlichen Kleinkraftwerks zur Erzeugung elektrischer Energie. Damit schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe. Wir sorgen unter anderem für eine Schadstoffreduzierung in der Luft, weil der Einsatz von Dieselgeneratoren vermieden wird und verringern den Kahlschlag von Wäldern, weil Brennholz nicht länger als Lichtquelle benutzt wird. Zudem können Schulkinder, die tagsüber mit ihren Eltern in den Reisfeldern arbeiten, nun auch in den Abendstunden bei gutem Licht lernen.

Gerd Ransoné, im Mai 2009




2. Planung

Die ersten Pläne für ein zukunftsorientiertes Kraftwerksprojekt haben wir im Frühjahr 2008 mit Ni Hre, dem Betreiber des Waisenhauses Trinity Orphanage diskutiert. Dabei stand die Nutzung regenerativer Energien von Anfang an im Vordergrund.
Eine moderne Photovoltaik-Anlage schied aus Kostengründen sofort aus, während eine kleinere Windkraftanlage aufgrund der in Kalaymyo vorherrschenden klimatischen Wetterbedingungen nicht sinnvoll erschien. Die ursprünglich geplante Errichtung einer Wasserkraftanlage mußte ebenso verworfen werden, da der nahe gelegene Fluß während der Trockenzeit (i.e. Anfang November bis Ende Mai) kaum Wasser führt, in der Regenzeit hingegen zum reißenden Fluß wird, was den effektiven Einsatz z.B. einer Schleppturbine unmöglich macht.
Schließlich kristallisierte sich heraus, daß die Erzeugung von Biogas aus den Abfällen von Reismühlen die sinnvollste und kostengünstigste Lösung zur Produktion erneuerbarer Energie darstellt, zumal in der Ebene am Fuß der Chin-Berge sehr viel Reis angebaut wird.
In der noch jungen Geschichte unseres gemeinnützigen Vereins ist dieses Kraftwerksprojekt ein Höhepunkt, von dem wir vor unserer Vereinsgründung nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Die „Rice Husk Power Station“ wird das erste Kraftwerk seiner Art in Sanmyo sein, einem entlegenen Dorf bei Kalaymyo. Uns ist klar, daß Planung und Realisierung nicht einfach sein werden, zumal wir uns nicht in regelmäßigen Abständen persönlich vom Stand der Dinge überzeugen können. Natürlich ist ein großes Maß an Vertrauen vonnöten. Doch wir sind sehr zuversichtlich, zumal wir Ni Hre als einen Menschen kennengelernt haben, der genau weiß, was er will.
Zunächst muß ein geeignetes Stück Land gekauft und eine gemauerte Einfriedung des Grundstücks zum Schutz vor dem Hochwasser während der Regenzeit errichtet werden. Hinzu kommt der Bau eines ausreichend großen Kraftwerkshauses sowie eines Vorratsspeichers für Rice-Husk, das sind die Abfälle aus Reismühlen zur Gewinnung von Biogas. Schließlich müssen die Kessel, Pumpen und Filtersysteme für die Vergasungsanlage beschafft sowie ein leistungsfähiger Verbrennungsmotor und ein Drehstrom-Generator gekauft werden. Zum Abschluß soll dann das elektrische Netz errichtet werden, wofür u.a. zahlreiche Strommasten, Porzellan-Isolatoren und eine Menge Kabel erforderlich sind.
Für die Realisierung richten wir vier Teilprojekte ein. Beim Geldtransfer werden uns die buddhistischen Mönche der Monastic Education High School „Phaung Daw Oo“ in Mandalay eine unverzichtbare Hilfe sein.




3. Realisierung

3.1. Erwerb eines geeigneten Grundstücks

Bereits zu Beginn der Projektdurchführung meinte es das Schicksal gut mit uns: es stand nämlich ein ausreichend großes Grundstück zum Verkauf, welches unmittelbar an das Gelände des von Ni Hre geleiteten Waisenhauses „Trinity Orphanage“ grenzt. Dieser nahm natürlich sofort Kontakt mit uns auf, gab uns detaillierte Informationen und schickte uns auch ein paar aussagekräftige Fotos zu. Das Angebot war derart verlockend, daß wir ihn kurzfristig beauftragten, das Stück Land so schnell wie möglich zu erwerben. Damit war die Grundvoraussetzung für die Realisierung unseres Projekts erfüllt und der Standort für die erste „Rice Husk Power Station“ im außerhalb von Kalaymyo gelegenen Dorf Sanmyo festgelegt.
Die Nähe des Grundstücks zu einem Fluß ist von großem Vorteil, zumal für den Betrieb der geplanten Biogasanlage u.a. auch Wasser benötigt wird. Ob die Wassermenge während der lang anhaltenden Trockenzeit ausreichen wird, muß die Praxis zeigen. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte auf dem Gelände ein Brunnen gebaut werden.




3.2 Besorgung einer Baugenehmigung

Eine Genehmigung zum Bau des geplanten Kraftwerks war einerseits zwingend erforderlich, ihre Beschaffung hingegen mit zahlreichen Unwägbarkeiten verbunden, zumal wir nicht wußten, wie viele Instanzen der sogenannten „Local Authorities“ ihr Einverständnis zu unserem Bauvorhaben würden geben müssen.

Glücklicherweise waren unsere Befürchtungen, Bestechungsgelder zahlen zu müssen, völlig grundlos. Mit einem Betrag in Höhe von 200.000 Kyat liegt der Kostenanteil der Baugenehmigung an den bisherigen Projektkosten bei gerade mal einem Prozent.




3.3 Errichtung des Kraftwerksgebäudes

Das Kraftwerksgebäude ist – man mag es kaum glauben – ein sogenanntes „Second Hand“ – Haus. Ursprünglich stand es in einem etwa 26 Kilometer von Kalaymyo entfernten Dorf, welches schon im Stammesgebiet der Chin liegt.

Vor der Demontage und dem aufwendigen Transport nach Kalaymyo mußte der Grundriß des Hauses genau vermessen werden, damit die Fundamente vor dem erneuten Wiederaufbau vorbereitet werden konnten. Der Rest war dann, wie Ni Hre sagte, nur noch Routinearbeit.




3.4 Bau der Grundstückseinfriedung

Da das Kraftwerksgelände recht nahe an einem kleinen Fluß liegt, der sich während der Regenzeit zu einem reißenden Strom entwickelt, mußte das komplette Grundstück zum Schutz vor Hochwasser eingefriedet werden. Für die Fundamente und Mauern wurden neben viel Sand und zahlreichen Säcken Zement etwa 14.000 Ziegelsteine benötigt.

Die Mauern sehen zwar nicht gerade sehr hübsch aus, sie wurden aber erst Anfang Januar 2009 errichtet und sollen noch vor Beginn der Regenzeit verputzt werden.




3.5 Installation der Vergasungsanlage

Mr. Aung Tu, ein Ingenieur mit mehrjähriger Auslandserfahrung, gilt als äußerst talentierter Konstrukteur sogenannter „Rice Husk Gasifier“, jenen umweltfreundlichen Anlagen zur Produktion von Biogas aus den Abfällen von Reismühlen.

Die Beschaffung dieser Abfälle ist unproblematisch, zumal es in der Region um Kalaymyo aufgrund der unzähligen Reisfelder recht viele Reismühlen gibt. Die meisten Teile der Biogasanlage stammen aus Nordindien, insbesondere aus den beiden Provinzen Mizoram und Manipur.




3.6 Beschaffung des Verbrennungsmotors

Wenn in einem Land wie Birma, wo es keine Schwerindustrie gibt, leistungsfähige Verbrennungsmotoren benötigt werden, so kommen diese - sei es Benziner oder Diesel - entweder aus China oder Japan. Für unser Projekt kommt er aus China: es ist ein robuster 6-Zylinder Reihenmotor, der sich ohne größere Umbauten mit gewöhnlichem Biogas betreiben läßt. Zwar ist er nicht ganz neu, aber die Ersatzteilversorgung klappt.

Recht erfahrene Organisatoren für derartige Beschaffungsmaßnahmen sind die in Birma sehr bekannten „Good Brothers’ Co., Ltd.“




3.7 Kauf des Drehstromgenerators

Auch der synchrone Drehstromgenerator chinesischer Bauart wurde über die versierte Handelsgruppe der „Good Brothers’ Co., Ltd.“ besorgt. Dabei handelt es sich um einen robusten Generator mit einer maximalen elektrischen Leistung von 30 kW.

Stromerzeuger dieser Art sind in Birma keine wirklichen Exoten, so daß die Ersatzteilversorgung aus China de facto kein Problem darstellt.

Zur Zeit wird die maximal mögliche Kraftwerksleistung nur zu etwa 22% ausgenutzt, so daß wir für die Zukunft gerüstet sind.




3.8 Errichtung des elektrischen Netzes

In der ersten Ausbaustufe unseres ambitionierten Kraftwerksprojekts wurden bereits knapp 2,5 Kilometer elektrischer Leitungen „verbaut“. Dazu mußten bisher etwa 52 Strommasten gesetzt werden. Entlang der breiten Hauptstraße des Dorfes ist das Netz bereits „vierspurig“ ausgelegt, während die Nebenstrecken nach links und rechts mit je zwei Leitungen abzweigen.

Das gesamte Leitungsnetz ist in 5 Teilnetze unterteilt, welche einzeln über die zentrale Schalttafel im Kraftwerksgebäude zu- oder abgeschaltet werden können.




3.9 Anschluß der Verbraucher

Seit dem Beginn unseres Kraftwerksprojekts sind die Dorfbewohner in hellem Aufruhr, haben sie doch schon seit unzähligen Jahren davon geträumt, einmal elektrisches Licht in ihren Häusern zu haben. Ni Hre schreibt uns immer wieder, wie begeistert die Menschen sind und daß sie ihm Tag für Tag Tür und Tor einrennen, um möglichst bald einen elektrischen Anschluß zu bekommen.

Als der erste Strom am 29. Januar 2009 ins Netz eingespeist wird, sind bereits mehr als 80 Häuser angeschlossen. Und die enorme Nachfrage ist bis heute ungebrochen.




4. Einweihung

Am Samstag, dem 14. Februar 2009, fliegen wir am frühen Nachmittag von Mandalay nach Kalaymyo, wo wir an der Eröffnungsfeier für die von uns finanzierte Rice Husk Power Station, dem „Blessing Light Center“, teilnehmen werden.

Jetzt sehen wir zum ersten Mal persönlich, was die Menschen hier in den vergangenen 6 Monaten auf die Beine gestellt haben. Und wir sind tief beeindruckt von der fachgerechten Installation aller zum Kraftwerk gehörenden Aggregate und Komponenten, wenngleich es zwei Kritikpunkte gibt, die sich auf die Hauptschalttafel im Kraftwerksgebäude sowie auf die mangelhafte Isolation an einigen Strommasten der Hauptstrecke beziehen. Um so erfreulicher ist es, daß man unsere Kritik sehr positiv aufnimmt und innerhalb von 24 Stunden für Abhilfe sorgt.
Gemeinsam mit Ni Hre setzen wir die feierliche Eröffnungszeremonie auf Donnerstag, den 19. Februar fest. So bleibt genügend Zeit für die Vorbereitungen, zu denen unter anderem die Verteilung der Einladungskarten gehört. Außerdem müssen wir noch ein Plakat anfertigen lassen, welches die Namen der Sponsoren trägt und vor der Eröffnung am Kraftwerksgebäude angebracht werden soll. Wir können es sogar in Kalaymyo drucken lassen und entscheiden uns für eine Größe von 3 x 4 Fuß (etwa 90 x 120 cm).

Derweil laufen die Vorbereitungen der „Großküche“ auf vollen Touren. Unter freiem Himmel werden mehrere Feuerstellen mit Hilfe von Ziegelsteinen errichtet, um genügend Reis für mehr als 200 Gäste kochen zu können. Zudem haben die Dorfbewohner gemeinsam ein Schwein gekauft, welches für die Eröffnungsfeier geschlachtet werden soll.
Schließlich werden auch schon zahlreiche Tische und Bänke aufgestellt. Wir fragen uns, woher das viele Geschirr kommen soll.
Am Tag der „Opening Ceremony“ wandern wir zu Fuß nach Sanmyo und treffen schon gegen 14:30 Uhr dort ein. Zahlreiche Dorfbewohner haben sich bereits auf dem Gelände des Waisenhauses versammelt und begrüßen uns mit Handschlag. Es ist wie auf einem großen Empfang. Auch die vielen Waisenkinder haben ihre schönsten Kleider angezogen.
Die Eröffnungsfeier beginnt pünktlich um 15:00 Uhr, so wie auf der Einladungskarte angekündigt. Als stellvertretendem Vorsitzenden des Förderkreis Birma e.V. wird mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil, das von den zwei ältesten Waisenmädchen gehaltene, pinkfarbene Band, welches an beiden Enden kunstvoll zu einem Blütenarrangement gerafft ist, unter dem tosenden Beifall der Dorfbewohner mit der Schere durchzuschneiden. Ein weiteres Mädchen hält mir einen Teller mit dem Schlüssel zum Kraftwerksgebäude entgegen. Nachdem die Tür aufgeschlossen ist, erfolgt die symbolische Schlüsselübergabe an Ni Hre, dem frisch gebackenen Kraftwerksbetreiber.

Anschließend wird inbrünstig gebetet und gesungen, begleitet von den rhythmischen Schlägen auf der großen Bass-Trommel eines alten Mannes.
Zwischendurch werden diverse Ansprachen gehalten. Ni Hre beginnt seine Rede mit einem historischen Rückblick ins Jahr 2005, dem Jahr, in welchem wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Er erzählt auch von seinem Vater, der ihn seinerzeit auf uns aufmerksam gemacht hat. Ich halte einen allgemeinverständlichen Vortrag über die unterschiedlichen Möglichkeiten und Vorteile bei der Nutzung regenerativer Energien und erläutere, warum wir uns für eine mit Reismühlenabfällen betriebene Biogasanlage entschieden haben.

Anschließend referiert Brigitte Neifer, die Vorsitzende des „Förderkreis Birma e.V.“, über die Gefahren, die von der zunehmenden Umweltverschmutzung – insbesondere durch achtlos weggeworfene Plastiktüten – für Mensch und Tier ausgehen. Mr. Si Taung, unser Dolmetscher, übersetzt fleißig und geduldig vom Englischen in die Sprache der Chin.

Nach diesem offiziellen Teil der Eröffnungsfeier geht es nun wieder etwas lockerer zu. Die Gäste werden zu Tisch gebeten. Sie scheinen einen guten Appetit mitgebracht zu haben. Es wird geplaudert und gescherzt und alle sind zufrieden und guter Laune. Als Ehrengäste werden wir im großen Aufenthaltsraum des Waisenhauses bewirtet, wo man uns ein köstliches Mahl zubereitet hat.

Nach dem großen Essen bekommt die Eröffnungsfeier einen regelrechten Volksfestcharakter: Ni Hre hat einen mächtigen, ca. 6,50 Meter hohen Bambusstamm errichtet, an dessen Spitze zwei Banknoten à 1.000 Kyat (umgerechnet etwa 1,54 Euro) festgebunden sind. Die Kinder des Dorfes sind aufgerufen, diesen Stamm zu erklimmen, und wer dies schafft, dem gehört das Geld. Eine Feinheit gibt es jedoch dabei: Ni Hre hat den Stamm zuvor kräftig eingeölt. Stück für Stück muß erst das Öl abgewischt werden. So dauert es eine geraume Zeit, bis die Kletterei zum Erfolg führt. Am Ende teilen die Kinder das Geld unter sich auf.




5. Wirtschaftlichkeitsanalyse

Im Rahmen dieses Projekts ist es einfach unerläßlich, eine detaillierte Analyse zur Wirtschaftlichkeit des Kraftwerksbetriebs durchzuführen. Auf diese Weise haben wir festgestellt, daß ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage erst oberhalb von etwa 150 zahlenden Stromkunden möglich ist. Unterhalb dieser Anzahl bedeutet der Betrieb dagegen noch ein Verlustgeschäft. Dem Kraftwerksbetreiber Ni Hre war diese Tatsache nicht bewußt, weil er den Aspekt der Rückstellungserfordernis nicht in seine Kalkulationen einbezogen hatte. Deshalb erklären wir ihm, daß technische Anlagen in Industrieländern über einen Zeitraum von etwa 10 Jahren abgeschrieben werden. Für ihn bedeutet dies, daß er pro Jahr etwa 10 Prozent der gesamten Anschaffungskosten der Kraftwerkskomponenten an Rücklagen für den zeitlichen Wertverlust und anstehende Reparaturen bilden muß.
Nach diesen Erklärungen wird auch ihm klar, daß der aktuelle Betrieb mit gut 80 an das Stromnetz angeschlossenen Häusern noch unwirtschaftlich ist. Daher muß das elektrische Netz so schnell wie möglich erweitert werden. Denn eine Erhöhung des Strompreises kommt auf gar keinen Fall in Frage, da die Dorfbewohner recht arm sind.




6. Ausblick

Seit unserer Rückkehr aus Birma im März 2009 hat sich einiges getan. Vom Fluß unweit des Kraftwerksgeländes ist im Verlauf der Trockenzeit nur ein schmales Rinnsal übrig geblieben, so daß zusätzliches Wasser für den Betrieb der Biogasanlage von weit her beschafft werden muß. Der Bau eines Brunnens neben dem Kraftwerksgebäude ist daher unabdingbar, um die kontinuierliche Produktion elektrischer Energie zu gewährleisten.
Darüber hinaus ist die Nachfrage zahlreicher Dorfbewohner nach einem elektrischen Anschluß in ihren Häusern ungebrochen. Einerseits ist die Kapazität des Kraftwerks zwar noch lange nicht erschöpft, andererseits fehlt es aber vor Ort an finanziellen Mitteln zur Erweiterung des elektrischen Netzes. Daher beschließen wir kurzfristig, sowohl den Bau eines Brunnens als auch die Erweiterung des elektrischen Netzes zu finanzieren, um eine gewisse Kontinuität zu wahren und den wirtschaftlichen Anforderungen zu genügen.
Nachdem wir bereits in diesem Jahr in mehreren Vorträgen die Problematik der zunehmenden Umweltverschmutzung angesprochen und damit bei vielen Menschen ein geschärftes Umweltbewußtsein geschaffen haben, werden wir ab dem kommenden Jahr eine intensive Aufklärungskampagne starten, Schulungsmaßnahmen durchführen und alternative Möglichkeiten aufzeigen, um den extensiven Gebrauch von umweltschädlichen Produkten im Sinne einer Verringerung von CO2 Emissionen zu bekämpfen. Unterstützung erhalten wir dabei von einer jungen Studentin aus Mandalay, die sich mit Graphik und Design beschäftigt und diverse Poster für unsere Aufklärungskampagne entwirft.
Schließlich beschäftigen wir uns auch mit den Verkaufsmöglichkeiten von Abfällen der Rice Husk Power Station, zumal diese als hochwertige, kalihaltige Substanz vielseitig verwendbar sind, z.B. als Düngemittel oder als Additiv bei der Zementproduktion zur Verbesserung der Eigenschaften von Beton. Zusätzliches Geld würde den Kraftwerksbetrieb noch wirtschaftlicher machen.




7. Technische Daten zum Kraftwerksprojekt

Vergasungsanlage Leitungsnetz  
Modell RH-6 (Indien), modifiziert Gesamtlänge 2,314 Km
Verbrauch ca. 1,6 Kg Husk / kWh Anzahl Strommasten 52
    Höhe der Strommasten 6,70 m
 
Verbrennungsmotor   Verbraucher  
Typ Otto-Motor (China) Anzahl Haushalte 84
Bauart 6-Zylinder Reihenmotor Mittlere Verbraucherleistung 80 Watt
Leistung ca. 63 kW (85 PS)    
 
Generator   Kraftwerk  
Typ 3-Phasen Synchron-Generator Max. Energie (bei 16 h / 30 kW) 175,2 MWh/Jahr
Modell STC-30 (RTOU China) Max. Energie (bei 4 h / 30 kW) 43,8 MWh/Jahr
Max. Leistung 30 kW Akt. genutzte Energie (bei 4h / 6,4 kW) 9,34 MWh/Jahr
Nennspannung 400 Volt Derzeitige Auslastung 21,3 %
Phasen-Spannung 230 Volt    
Frequenz 50 Hz Wartung und Betrieb  
Nenndrehzahl 1500 Upm Anzahl neuer Arbeitsplätze 2
Leistungsfaktor (cos φ) 0,8 Erster Ingenieur Khua Er
Gewicht 306 Kg Zweiter Ingenieur Thawng Cin Than




8. Statistik der Projektkosten

Die bisherigen Projektkosten belaufen sich auf 19.236.000 Kyat, was einem Betrag von knapp 12.200 Euro entspricht. Den größten Anteil daran hat das eigentliche Kraftwerk gefolgt vom Kraftwerksgelände, der Einfriedung des Grundstücks, dem Leitungsnetz sowie dem Kraftwerkshaus.

Fasst man die Ausgaben für das Kraftwerk und das Leitungsnetz zusammen, so ergibt sich ein Anteil von etwa 57,1 %. Dem gegenüber betragen die Kosten für die Infrastruktur (Grundstück, Einfriedung, Kraftwerkshaus) etwa 41,9 % des Gesamtbetrages. Die Baugenehmigung schlägt mit nur 1% zu Buche.




9. Weiterführende Literatur

Für den Fall, daß Sie sich eingehender mit der Technologie der Rice Husk Gasifier beschäftigen wollen, möchte ich an dieser Stelle einige Publikationen zu diesem Thema erwähnen.

  1. Rice husk gasifiers to foster rural development, Than Htike Oo, The Myanmar Times, Volume 22, No. 428 (July 2008)


  2. Powering Villages from Rice Husks, Brevy Cannon, University of Virginia, USA (May 2008)


  3. R & D of Carbonizing Gasification for Biomass/Waste, Kazuyoshi Ichikawa, Central Research Institute of Electric Power Industry (CRIEPI), Chiyoda-Ku, Japan (2007)


  4. Rural Electrification with Rice Husk Gasifier, (Linn Tha), Renewable Energy Project Competition, Asean Energy Awards, Myanmar (2006)


  5. Environmental Profile of Power Generation from Rice Husk in Thailand, Thipwimon Chungsangunsit et al., International Conference on “Sustainable Energy and Environment (SEE)”, Hua Hin, Thailand (1-3 December 2004)


  6. Environmental Assessment of Electricity Production from Rice Husk: A Case Study in Thailand, Thipwimon Chungsangunsit et al., University of Bangkok, Thailand (2003)


  7. Characterization of Rice Husk for Cyclone Gasifier, I. Mohamad Yusof et al. (Malaysia), Journal of Applied Sciences 8 (4): 622-628, (2008)



10. Danksagung

Dieses Projekt wird mit Mitteln finanziert, welche die Weesbach-Stiftung in Krefeld dem „Förderkreis Birma e.V.“ zur Verfügung stellt.


Aachen, im Mai 2009

Brigitte Neifer (Vorsitzende Förderkreis Birma e.V.)
und Gerd Ransoné (stellvertretender Vorsitzender)





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