Unsere Vereinsaktivitäten im Jahre 2009

Vergabe eines Microcredits an Reisbauern in Hsipaw
  1. Vorwort
  2. Zusammenfassung


  3. Mandalay: Phaung Daw Oo

  4. Mandalay: Tun Tun (Teil 1)

  5. Kalaymyo: Trinity Orphanage - Ni Hre

  6. Falam: John und Emily

  7. Mandalay: Tun Tun (Teil 2)

  8. Mandalay: Ba Maung

  9. Hsipaw: Ko Zaw Tun

  10. Kyaing Tong: Zetamin Clinic

  11. Überall: Verteilung von Geschenken


  12. Statistik der verteilten Spenden


  13. Danksagung



1. Vorwort

Schon seit einiger Zeit unterstützen wir das "Trinity Orphanage", ein Waisenhaus in Sanmyo nahe der Stadt Kalaymyo im Nordwesten Birmas. Die Bewohner des Dorfes träumen bereits viele Jahre davon, selbst einmal elektrischen Strom zu haben. Die ersten Pläne zur Realisierung dieses ehrgeizigen Vorhabens reichen ins Frühjahr 2008 zurück. Bei allen Überlegungen stand die Nutzung regenerativer Energien von Anfang an im Vordergrund.
Langwierige Recherchen und detaillierte Analysen zur alternativen Stromerzeugung mittels einer modernen Photovoltaikanlage, einer kleinen Windkraftanlage, eines Biogaskraftwerks oder einer Wasserkraftanlage ergaben, daß die Erzeugung von Biogas aus den Abfällen von Reismühlen an diesem Standort die sinnvollste und kostengünstigste Lösung zu Produktion erneuerbarer Energie darstellt, zumal in der Ebene am Fuß der Chin-Berge sehr viel Reis angebaut wird. In der noch jungen Geschichte unseres gemeinnützigen Vereins ist dieses Kraftwerksprojekt ein Höhepunkt, von dem wir vor unserer Vereinsgründung nicht zu träumen gewagt hätten.
Wie im vergangenen Jahr hat uns die Fluggesellschaft "Thai Airways International" das zulässige Gesamtgewicht unseres Gepäcks für den Hinflug von Frankfurt am Main über Bangkok nach Rangun kostenlos auf über 74 Kg aufgestockt.
An dieser Stelle haben wir den größten Teil unserer diesjährigen Hilfsaktionen knapp dokumentiert, um einerseits zu informieren, wohin die Spendengelder des "Förderkreis Birma e.V." geflossen sind und was wir mit den Sachspenden gemacht haben, andererseits aber auch, um über das recht breite Spektrum der von uns geförderten Projekte zu informieren.




2. Zusammenfassung

Zusammenfassung: Auch in diesem Jahr beginnt unsere Reise wieder in Rangun, der früheren Hauptstadt Birmas, wo wir, wie in den vergangenen Jahren, erst einmal zahlreiche Freunde besuchen, über die guten alten Zeiten plaudern und uns informieren, was sich seit unserem letzten Besuch so alles getan hat. Traditionell haben wir wieder größere Geldgeschäfte auf dem Schwarzmarkt zu tätigen. Verständlicherweise ist Birma von der weltweiten Immobilien- und Bankenkrise weitestgehend verschont geblieben, dennoch macht sie sich im inoffiziellen Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt auf recht unangenehme Weise bemerkbar: Da der Wert des Euro gegenüber dem US$ stark eingebrochen ist, bekommen wir statt der 1.592 Kyat vom vergangenen Jahr jetzt nur noch 1.300 Kyat für einen Euro.
Die Organisation unserer Weiterreise nach Kalaymyo gestaltet sich auch in diesem Jahr als recht schwierig, jedoch im Vergleich zum Vorjahr nicht als unmöglich. Zuvor besuchen wir noch die buddhistischen Mönche U Nayaka und U Zawtika, die Begründer der Monastic Education High School "Phaung Daw Oo" und treffen uns mit unseren Studenten.
Nach zwei Tagen fliegen wir nach Kalaymyo, wo wir an der unvergeßlichen Eröffnungsfeier für die von uns finanzierte Rice Husk Power Station "Blessing Light Center" teilnehmen. Es ist das erste Kraftwerk dieser Art in Sanmyo, einem an Kalaymyo angrenzenden Dorf.
Später fahren wir dann nach Hsipaw im Nordosten Birmas nahe der chinesischen Grenze, wo wir unseren Freund Ko Zaw Tun treffen und gemeinsam mit ihm den Wasserbüffel "Aik Lum" besuchen, den wir vor drei Jahren für mehrere Familien gekauft haben. Dort sehen wir auch zum ersten Mal seinen beiden Büffel-Freundinnen "Ae Mauk" und "Ae Mae", die ihm nun das harte Arbeitsleben versüßen.




1. Mandalay: Phaung Daw Oo - Schule mit angeschlossenen Waisenhäusern

Auch in diesem Jahr besuchen wir das "Phaung Daw Oo" in Mandalay, die größte Schule in Birma für Kinder aus armen Verhältnissen, wo uns die Gründer - die beiden buddhistischen Mönche U Nayaka und U Zawtika - begeistert empfangen.
Hier treffen wir die Medizinstudentin Ma Yi Lay Nwe und die Englischstudentin Tin Ma Ma Thet (Tess), die wir erst seit einem Jahr zu unseren Protegés zählen. Win Min Hein (Medizin) ist heute leider verhindert.

Wir werden Tess mit einem Second-Hand-Laptop ausrüsten, zumal sie sich bereits intensiv mit diversen Computergraphik- und Design-Programmen beschäftigt hat und wir sie später einmal für andere Projekte des Vereins (etwa zum Entwurf von Plakaten und Lehrtafeln für zukünftige Aufklärungskampagnen in Sachen Umweltschutz und der Nutzung regenerativer Energien) einspannen möchten.
Später gibt's dann ein frohes Wiedersehen mit den Studenten Win Min Tun (Elektrotechnik), den wir im vergangenen Jahr mit einem Second-Hand-Laptop unterstützt haben und dem Chemiestudenten Aung Tun Lay, dessen Studium wir bereits seit zwei Jahren finanzieren. Zu unserer vollen Zufriedenheit berichten sie uns über den Verlauf ihres vergangenen Studienjahres und über ihre bestandenen Prüfungen.

Jetzt machen wir auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Studenten Nay Win Myint (Geschichte), den wir seit Jahresbeginn unterstützen und dem wir bereits Ende des vergangenen Jahres den Wechsel von der Universität Shwebo zur Uni Mandalay ermöglicht haben.
Schließlich erkundigen wir uns beim Schulleiter U Nayaka nach weiteren geeigneten Studienanwärtern, lesen die Biographien diverser Kandidaten und entscheiden uns nach einer Weile für drei neue Schüler, die ihr Studium an der Universität Mandalay aufnehmen möchten, namtlich: Hlaing Soe (Bauingenieur), Aung Zin Moe (CNC-Ingenieur) und Thiha Soe (Medizin). Damit finanzieren wir nun die Universitätsausbildung für 8 Studenten.

Später lernen wir auch Mr. Win Nyunt und die charmante Ni Ni kennen, die uns im Rahmen der Geldtransfers für unser Kraftwerksprojekt in Kalaymyo schon mehrfach große Dienste erwiesen haben. Die Buchführung des PDO stimmt auf den Kyat genau mit der unserigen überein.
Am nächsten Tag besuchen wir Ko Myint Aung, um den Verbleib des Zahnarztbestecks für das Phaung Daw Oo zu klären, welches ein Freund im Dezember 2008 mit nach Mandalay genommen hat. Er sagt, daß er das Besteck ins Royal City Hotel gebracht hat. Dort weiß man jedoch nichts davon.
Nach telefonischer Rückfrage erfahren wir, daß er das Besteck schon am 27. Dezember im PDO abgegeben hat. Auch das ist sehr merkwürdig, denn gestern wußte U Nayaka davon rein gar nichts. In der Zahnklinik schauen wir in alle Ecken und in alle Schubladen und Kartons: nichts! Dann ruft Ni Ni bei Ko Myint Aung an und erfährt von ihm, daß er die Instrumente einer Schwester von Thandar, einer weiteren Sekretärin im PDO, übergeben hat. Diese befindet sich aber gerade auf dem Rückweg vom kranken Opa in Pyin Oo Lwin. Und so wir hoffen, daß sich bald alles aufklären wird. Als wir Thandar schließlich treffen, zeigt sie uns das Zahnarztbesteck; sie hatte einfach nur geglaubt, sie solle es so lange aufbewahren, bis wir im PDO angekommen sind.




2. Mandalay: Tun Tun - Trishaw-driver (Teil 1)

Am Morgen des 14.02.2009 verlassen wir das Hotel, um draußen auf das Taxi zu warten, das uns zum Flughafen von Mandalay bringen soll. Plötzlich kommt Tun Tun angerannt, ein junger Trishaw-Driver, den wir bereits im Jahre 2005 kennengelernt haben. Vor vier Jahren haben wir ihm ein eigenes Trishaw gekauft und waren hoch erfreut, daß unsere Hilfe zur Selbsthilfe von sichtbarem Erfolg gekrönt war: er stand von nun an auf eigenen Füßen. Schon zwei Jahre später hatte er ein kleines Stückchen Land neben dem Haus seiner Mutter erworben und ein bescheidenes Bambushaus für sich und seine Familie gebaut. Im Herbst 2007 haben sie ihr zweites Kind, eine süße kleine Tochter, bekommen.
Wir merken sofort, daß etwas nicht stimmt. Tun Tun macht einen nervösen Eindruck, kann kaum sprechen und zittert am ganzen Körper. Nachdem er sich ein wenig beruhigt hat, erzählt er uns von dem Großbrand, dem vor fünf Tagen etwa 320 Häuser in Mandalay zum Opfer gefallen sind. Davon sind auch sein Haus und das seiner Mutter betroffen. Tun Tun steht vor dem Nichts. Glücklicherweise hat es weder Tote noch Verletzte gegeben.

Tun Tun erzählt uns, daß sie nun alle unter freiem Himmel schlafen müssen. Freunde haben ihm zwar warme Wolldecken für die Nacht gegeben, doch es fehlt hinten und vorne am Notwendigsten. Nun haben wir ein großes Problem: Einerseits wollen wir den Flug nach Kalaymyo wegen der Einweihungsfeier unseres Kraftwerks nicht verpassen, andererseits braucht Tun Tun dringend Hilfe.
So verabreden wir uns für Samstag, den 21.02.2009 um 18:00 Uhr, dem Tag unserer Rückkehr aus Kalaymyo. Tun Tun bekommt von uns eine Armbanduhr geschenkt, damit wir uns auf gar keinen Fall verpassen.




3. Kalaymyo: Trinity Orphanage - Ni Hre

Als wir am Spätnachmittag des 14. Februar 2009 in Kalaymyo landen, werden wir bereits am Flugfeld von der ganzen Familie des Waisenhausdirektors Ni Hre begrüßt. Neben seinem Bruder und seiner Schwester sind sogar seine Eltern und Schwiegereltern mit angereist. Wir fühlen uns wie auf einem Staatsempfang; nur der rote Teppich fehlt.
Am nächsten Tag statten wir dem Waisenhaus einen ersten Besuch ab. Nach anfänglicher Zurückhaltung verlieren die Kinder schnell ihre Scheu und bringen uns ein Begrüßungsständchen mit Tanz und Gesang.
Anschließend besichtigen wir das Biogaskraftwerk und sind tief beeindruckt von dem, was die Menschen in kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben: Vom Grundstück mit Einfriedung über das Kraftwerkshaus, den Vorratsspeicher für Rice Husk, die Kessel, Pumpen und Filtersysteme für die Vergasungsanlage bis hin zum Verbrennungsmotor und dem Drehstromgenerator und dem elektrischen Netz.

Im Vorfeld haben wir Ni Hre bereits mitgeteilt, daß wir 67 optische Brillen im Gepäck haben, vornehmlich Lesebrillen für ältere Dorfbewohner. Und so findet zwei Tage vor der offiziellen Einweihung des Kraftwerks ein kleineres, aber nicht minder munteres Fest auf dem Gelände des Waisenhauses statt, zu dem besonders die älteren Dorfbewohner eingeladen sind, die sich keine Brille zum Ausgleich ihrer Sehschwäche leisten können. Unter den erwartungsvollen Gästen werden Zeitungen als Leseprobe verteilt. Und los geht's. Es ist schon rührend zu beobachten, wie sich manch angespanntes Gesicht so nach und nach löst und plötzlich strahlt. Der erste, der in Begeisterung aufschreit, ist ein wahrer Glückspilz: eine bifokale Brille gleicht seine doppelte Sehschwäche haargenau aus. Es ist ein Stück zurückgewonnener Lebensqualität durch ein gebrauchtes, optisches Gerät, welches in unserem Kulturkreis achtlos in den Müll fliegt oder erst noch jahrelang in irgendeiner Ecke verstaubt, bevor es in der Mülltonne landet. Fast alle Brillen finden Abnehmer; diejenigen, die dieses Jahr keine passende Brille gefunden haben, hoffen nun, nächstes Jahr dabei zu sein. Zum Trost erhalten sie die leeren Printendosen aus Blech mit Aachener Motiven, in denen wir die Brillen für einen sicheren Transport verpackt hatten.

Zwei Tage später, am 19.02.2009, treffen wir uns mit allen Bewohnern des Dorfes wieder, diesmal zur unvergeßlichen Einweihungsfeier der ersten Biogaskraftwerksanlage im Dorf Sanmyo bei Kalaymyo. Ausführliche Informationen über Planung und Realisierung unseres ersten Kraftwerksprojekts sowie die Einweihungsfeier am 19.02.2009 finden Sie unter Rice Husk Power Station in Kalaymyo.

Seit unserer Rückkehr aus Birma am 5. März 2009 haben wir in Kalaymyo bereits weitere Teilprojekte finanziert, die für das Waisenhaus und den Kraftwerksbetrieb dringend erforderlich waren. Dazu zählt u.a. der Ausbau des Fischteichs (siehe Fotos "vorher / nachher"), für den auf einer Fläche von etwa 320 m2 schätzungsweise 150 Kubikmeter Erde von Hand bewegt wurden.

Das Telefon: Schon seit geraumer Zeit träumt Ni Hre, der Betreiber des Waisenhauses Trinity Orphan Resource Development Center in Kalaymyo, davon, einmal einen eigenen Telefonanschluß zu besitzen. Nach reiflicher Überlegung haben wir diesem Wunsch schließlich entsprochen, zumal letztendlich auch wir davon profitieren. Die Kommunikation mit unserem Projektleiter vor Ort wird wesentlich einfacher, und wir können schneller reagieren, wenn einmal gravierende Probleme auftauchen sollten. Ni Hre nennt es das "Blessing Phone".

Der Brunnenbau: Bereits während unseres einwöchigen Aufenthalts in Kalaymyo im Februar dieses Jahres haben wir gesehen, daß sich der Fluß hinter dem Kraftwerksgelände im Laufe der Trockenzeit zu einem schmalen Rinnsal entwickelt hat. Schon damals wurde uns klar, daß in absehbarer Zeit ein Brunnen gebaut werden muß, um genügend Wasser für den Betrieb des Biogaskraftwerks bereitstellen zu können und so eine kontinuierliche Stromversorgung zu gewährleisten. Die Bauarbeiten für den etwa 20 Meter tiefen Brunnen sind inzwischen abgeschlossen.

Die Erweiterung des elektrischen Netzes: Bis Ende Februar 2009 waren ungefähr 80 Häuser des Dorfes Sanmyo an das neu errichtete Stromnetz angeschlossen. Eine einfache Kosten-Nutzen-Analyse ergab jedoch, daß ein wirtschaftlicher Kraftwerksbetrieb erst ab etwa 150 Stromkunden möglich ist.
Damit war die erste Netzerweiterung im Rahmen unseres Kraftwerksprojekts zwingend erforderlich, zumal der Betrieb so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen muß. Inzwischen ist das Netz mit weiteren 50 Strommasten und knapp 2,4 Km elektrischer Leitungen nahezu verdoppelt.




4. Falam: Thawng Luai Mang (John) und Mang Hlei Tial (Emily), ein Lehrer-Ehepaar

Falam ist mit etwa 6.000 Einwohnern der zweitgrößte Ort im Stammesgebiet der Chin welcher im Nordwesten Birmas an Indien und Bangladesh grenzt. Trotz Reiseverbots konnten wir im Jahre 2005, dank der Hilfe der katholischen Mission in Kalaymyo und der wohlwollenden "Blindheit" des Militärkommandeurs der Region, dorthin reisen.
Seit dieser Zeit kennen wir Emily und John, ein nettes Lehrer-Ehepaar aus Falam, etwa eine Tagesreise von Kalaymyo entfernt. Wir erfahren, daß sich Emily mit ihrem Sohn Steve in Kalaymyo aufhält und schaffen es, die beiden ausfindig zu machen. Wir treffen uns an unserem Hotel und bereiten eine große Tasche für die Ärmsten der Armen in Falam vor. Dazu zählen u.a. die Brillen, die in Kalaymyo keine Abnehmer gefunden haben, aber auch warme Kleidung, Decken, Artikel zur Körperpflege, Schreibmaterial und viel Kinderspielzeug. Bei der Auswahl der Sachen für Falam helfen die Menschen aus Kalaymyo mit. Deren Mitgefühl für noch Ärmere als sie selbst ist schon beeindruckend. Wie oft fällt der Satz: "In Falam brauchen sie dieses oder jenes doch noch viel dringender als wir."




5. Mandalay: Tun Tun - Trishaw-driver (Teil 2)

Am Samstag, dem 21.02.2009, fliegen wir von Kalaymyo zurück nach Mandalay. Wie verabredet treffen wir Tun Tun kurz nach 18:00 Uhr in der Nähe unseres Hotels. Im Vergleich zur letzten Woche macht er heute einen viel ruhigeren Eindruck. Wir fahren mit seinem Trishaw in eine nahe gelegene Teestube, wo wir uns ungestört unterhalten können.
In einem ersten Sondierungsgespräch versuche ich herauszufinden, was kurzfristig am dringendsten benötigt wird. An erster Stelle steht natürlich ein neues Dach über dem Kopf. Dazu braucht man erst einmal vier Wände aus Bambusgeflecht, eine davon mit der Eingangstür und eine oder zwei mit je einem Fenster. Schließlich ein wasserdichtes Dach oben drauf. Und was sonst ? Ein kleines Schränkchen, diverses Kochgeschirr, warme Decken für die Nacht und Kleidung für die ganze Familie.
"Beh lau leh?" frage ich ihn. "Wieviel macht das zusammen?" - "Etwa 350 US$" antwortet er bescheiden. Wir geben ihm 400 US$.




6. Mandalay: Ba Maung - Trishaw-driver

Wir kennen Ba Maung bereits seit einigen Jahren. Als wir ihn in diesem Jahr treffen, erzählt er uns von den gesundheitlichen Problemen seiner schwangeren Frau. Er hatte bereits Kontakt mit Freunden aus den Niederlanden aufgenommen, die ihm 100 Euro überweisen wollten. Das Geld ist aber bislang nicht angekommen.

Wir entscheiden uns kurzfristig, die Kosten für die ärztliche Behandlung sowie den Krankenhausaufenthalt seiner Frau zu finanzieren. Dank unserer Hilfe haben sie inzwischen einen gesunden Jungen bekommen.




7. Hsipaw: Ko Zaw Tun

In diesem Jahr führt unsere Reise erneut nach Hsipaw, eine beschauliche Kleinstadt inmitten der Berge des nördlichen Shan-Gebiets. Dort besuchen wir Ko Zaw Tun, der uns bereits seit vielen Jahren erfolgreich hilft, unsere Projekte in die Tat umzusetzen. Natürlich besuchen wir auch das Dorf, wo wir im Jahre 2006 einen Wasserbüffel für drei Familien gekauft haben, deren Reisfelder aneinander grenzen. Der Büffel ist heute etwa 6 ½ Jahre alt und wird "Aik Lum" genannt, was in der Sprache der Shan etwa "starker schwarzer Mann" bedeutet. Inzwischen ist er geschlechtsreif. Deshalb haben wir bereits im Vorjahr ausreichende Geldmittel zur Verfügung gestellt, um ihm eine Freundin zu vermitteln.

Dank der engagierten und umsichtigen Unterstützung von Ko Zaw Tun und dem Reisbauern Seng Sai hat er nun schon zwei Freundinnen, lebt also eigentlich in Bigamie und hat offenbar keine Probleme damit. Aik Lum, der im letzten Jahr noch mächtig Angst vor uns zu haben schien, hat sich zu einem prächtigen Tier entwickelt, das vor Kraft nur so strotzt. Bereitwillig läßt er sich am Kopf kraulen und scheint es sichtlich zu genießen.

Seine erste Freundin heißt "Ae Mauk", was in der Sprache der Shan etwa "Mädchen mit weißer Blume auf der Stirn" bedeutet. Sie ist eine wunderschöne Dame, und wir hoffen, daß es bald Nachwuchs geben wird. Damit könnten weitere Familien bei der Feldbestellung unterstützt werden. Die jüngere heißt "Ae Mae", ihr Name bedeutet schlicht "neues Mädchen". Zu ihr hat Aik Lum bislang zwar nur ein rein freundschaftliches Verhältnis, aber eine Liebesgeschichte mit Nachwuchs wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Am nächsten Morgen werden mal wieder Microcredits vergeben, eine Einrichtung, die wir bereits vor Jahren begründet haben. Die Vergabe an Bauern und Kleinhändler wird von Ko Zaw Tun zusammen mit Daw Khin Than Win, einer NGO Mitarbeiterin, überwacht. Oftmals reicht ein kleiner Betrag für eine Existenzgründung, die es der Familie ermöglicht, in Würde zu leben und eine Zukunft für die Kinder zu sichern. Die geringen Zinsen, die der Microcreditnehmer zahlt, werden ausschließlich dazu genutzt, weitere Microcredits zu vergeben. Wir sind als Zeugen für die Vergabe dieser Kredite an zwei Bauern geladen. Neben Ko Zaw Tun und Daw Khin Than Win unterschreibt noch ein Bürge die Verträge.

Unser ehrgeizigstes Projekt dürfte wohl das Vorhaben "Plastic-free Hsipaw" sein. In einem Land mit fehlender Infrastruktur sowie mangelnder Aufklärung in Umweltfragen sind fehlendes Bewußtsein für die Schäden und Gefahren eines sorglosen Umgangs mit arglos weggeworfenen Plastiktüten an der Tagesordnung. Wurden früher ausschließlich Körbe, Bananenblätter, Krüge und Schüsseln zum Transport von Lebensmitteln genutzt, so werden heute fast nur noch Plastiktüten verwendet, mit denen das Nachbarland China die Region überschwemmt. Es gibt keine geeigneten Verbrennungsanlagen, die Leute vertrauen einfach auf die nächste Regenzeit, welche die verseuchten Felder in ihren Augen schon reinigen wird.
Wir können in der kurzen Zeit nur wenige Leute über die dauerhaften Schäden aufklären und haben bisher nur eine Aktion "angetriggert", die Plastiktüten auf den Feldern einzusammeln und an einem sicheren Ort, fernab von Brunnen und Flüssen, zu vergraben. Zur Vermeidung von weiterem Müll haben wir die ersten Weichen für eine Aktion mit verlockendem Angebot gestellt: Einsammler von Plastiktüten werden, je nach gesammelter Menge, mit einem Korb, einer Stofftasche, einer Thermoskanne oder einem Henkelmann belohnt. Die Mittel hierfür stellt unser Verein bereit.
Des Weiteren arbeiten wir mit Studenten der Universität Mandalay zusammen, um Plakate zu entwerfen, welche auf die Gefahren hinweisen, aber auch Möglichkeiten zu ihrer Vermeidung aufzeigen.
Das Projekt wird bestimmt viel Geduld und Durchhaltevermögen erfordern, da wir mit Hsipaw aufgrund seiner Abgelegenheit keinen regelmäßigen Kontakt pflegen können.




8. Kyaing Tong: Zetamin Clinic - Dr. Myint Zaw und Dr. Zin Ma Oo

Aus Zeitgründen können wir das Arzt-Ehepaar Dr. Zin Ma Oo und Dr. Myint Zaw in diesem Jahr leider nicht in Kyaing Tong besuchen. Dennoch haben wir zahlreiche Medikamente für deren Zetamin-Klinik sowie viele Zahnarzt-Instrumente für den Dentisten Dr. Gee No mit nach Birma gebracht.
Der ausschließlich mit diesen medizinischen Utensilien gefüllte Koffer hatte bereits in Frankfurt den Argwohn der Flugsicherheitsbehörde erweckt: Man kennzeichnete ihn mit sechs Kreidekreuzen. Bei der Gepäckausgabe in Yangon gelingt es uns leider nicht, diese rechtzeitig zu entfernen. Daher müssen wir den Koffer bei der dortigen Zollkontrolle öffnen. Die Bediensteten haben nun ein großes Problem, das ungewöhnliche Gepäck ins Land zu lassen. Erst als wir versprechen, in Zukunft auf die Einfuhr solcher Mengen an Medikamenten zu verzichten, läßt man uns gehen. Leider haben wir Alzheimer und dieses Versprechen bereits längst vergessen.

Dank der engagierten Unterstützung unseres Hotelpersonals sowie einer in Yangon lebenden Schwester von Dr. Zin Ma Oo sind unsere Sachspenden bereits in Kyaing Tong eingetroffen und werden von fachkundigen Medizinern für die kostenlose Behandlung von mittellosen Patienten eingesetzt.
Die Scaler werden insbesondere für die Entfernung der schwarzen Zahnlackierung genutzt, die bei den Stämmen der Akha und der Ann üblich ist. Diese auf uns recht exotisch wirkende Praxis - es scheint als blicke man in einen zahnlosen Mund - ist zwar nicht zahnschädigend, der Lack muß aber vor einer Behandlung entfernt werden.




9. Überall: Verteilung von Geschenken

Auch in diesem Jahr haben wir wieder viele ländliche Gebiete abseits der ausgetretenen, touristischen Trampelpfade besucht. Dazu zählen insbesondere einige Dörfer in der Nähe von Kalaymyo im Nordwesten Birmas, die ländlichen Gebiete nördlich von Pyay in der weiten Ebene des Ayeyarwaddy sowie die vielen umliegenden Dörfer der im nördlichen Shan-State gelegenen Kleinstadt Hsipaw, der wir uns - nicht zuletzt durch unseren langjährigen Freund Ko Zaw Tun - seit mehr als zehn Jahren eng verbunden fühlen.
An vielen Orten haben wir Geschenke verteilt, darunter viel Spielzeug für die Kinder, vor allem aber nützliche Dinge wie z.B. warme Kleidung, Zahnbürsten und Zahnpasta, Seifen und Haarshampoo, Nähzeuggarnituren, Schreibutensilien, Solarrechner, Kerzen, Taschenmesser, Schlüsselbundhalter, Bauch- und Gürteltaschen, Handspiegel, Nagelpflegesets, Parfümproben, Kämme, Haarbürsten, Kettchen, Ohrringe, Armbanduhren, Armbänder und vieles mehr.




Statistik der verteilten Geld- und Sachspenden in Birma im Jahre 2009

Seit unserem letzten Besuch im Frühjahr 2008 haben wir Spendengelder in Höhe von insgesamt 17.911 Euro für Hilfsprojekte in Birma ausgegeben. Diesem Betrag standen zusätzliche Sachspenden - insbesondere hochwertige Medikamente, optische Brillen und medizinische Instrumente - im Gesamtwert von etwa 8.984 Euro gegenüber. Damit konnten wir unsere Hilfsaktionen in Birma mit einer Gesamtsumme von 26.895 Euro im Vergleich zum Vorjahr um etwa 217 % steigern.




Danksagung

An dieser Stelle möchten wir all denjenigen Freunden von ganzem Herzen danken, die mit ihren großzügigen Geld- und Sachspenden einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg unserer diesjährigen Hilfsaktionen in Birma geleistet haben. Dazu zählen insbesondere:

Dr. Albert Behr Etienne Dumas Dr. Michael Hassiepen Dr. Wolfgang Ruppenkamp Roswitha Stollmann
Marie Hélène Behr Bernd Ellinghoven Simone Hessel Prof. Dr. Eugenio Salinero Walter Stollmann
Prof. Dr. Peter Bosetti Karin Ensing Stefan Indefrey Dr. Jürgen Schleppegrell Dominique Tavian
Frank Dannenbauer Dr. Manfred Evers Hans-Peter Ledwolorz Eva Schwartz
Brigitte Dannenbauer Christine Gruber Uschi Ledwolorz Ludwig Schwartz
Brigitte Dieckmann Cornelia Hassiepen Ellen Ruppenkamp Friedhelm Sieland

sowie

SAINT GOBAIN SEKURIT Deutschland GmbH & Co. KG
Firma SOPTIM AG in Aachen und deren Mitarbeiter
Sparkasse Aachen
Thai Airways International
Verlag WechselWirkung
Weesbach Stiftung (Krefeld)


Aachen, im Mai 2009

Brigitte Neifer (Vorsitzende Förderkreis Birma e.V.)
und Gerd Ransoné (stellvertretender Vorsitzender)





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