Unsere Vereinsaktivitäten im Jahre 2011

Biak Rem Mawi beim Kauf zweier Nähmaschinen in Kalaymyo
  1. Vorwort

  2. Zusammenfassung

  3. Yangon - Maung Soe Wai Yan

  4. Yangon - Ko Myint Aung

  5. Mandalay - Phaung Daw Oo
  6. Hsipaw - Ko Zaw Tun

  7. 6.1.   Bildung und Erziehung
    6.2.   Micro Credit
    6.3.   Umweltprojekte
    6.4.   Wasserbüffel
  8. Nam Lan - Dr. Shwe Nyann

  9. Nar Mone - Nang Shwe Sein und Sai Ngo Po

  10. Kalaymyo - Kalay Diözese
  11. Kalaymyo - Trinity Orphanage

  12. 10.1.   Verteilung von Brillen
    10.2.   Bilanz abgeschlossener Projekte
  13. Kalaymyo - Beulah Children Home

  14. Neue Kontakte
  15. Werbung in eigener Sache
  16. Micro Credit Berichte
  17. Statistik der verteilten Spenden
  18. Danksagung


1. Vorwort

Nachdem wir in den beiden vergangenen Jahren größere Projekte zur Nutzung regenerativer Energien in Form eines Biogas-Kraftwerks sowie einer leistungsfähigen Reismühle realisiert haben, deren Abfallprodukte wiederum der Biogasproduktion zur Stromerzeugung dienen, liegen die Schwerpunkte in diesem Jahr vornehmlich im Bildungsbereich, der nachhaltigen Existenzsicherung und dem Gesundheitswesen. Zu letzterem zählt insbesondere die Operation eines Burmesen mittleren Alters, der seit langem an Neurofibromatose leidet, einer äußerst seltenen Krankheit, in deren Verlauf sich große Tumore aufgrund eines angeborenen Gendefekts bilden.
Erste Überlegungen zur Ermöglichung eines chirurgischen Eingriffs fanden bereits zum Ende unseres letzten Birma-Aufenthalts im Frühjahr 2010 statt. Diese nahmen im Laufe der Zeit durch die Kontaktaufnahme mit dem plastischen Chirurgen Herrn Dr. Heinz Schoeneich in München konkretere Züge an. Nach dem Erhalt diverser Fotos „unseres Patienten“ teilte er uns mit, daß er diesen bereits im Jahre 1995 zum ersten Mal in Yangon operiert hat und erklärte sich sofort zu einem erneuten Eingriff bereit.
Für den Hinflug von Frankfurt am Main über Bangkok nach Yangon hat uns die Fluggesellschaft Thai Airways International das „zulässige Gesamtgewicht“ unseres Gepäcks wie im Vorjahr kostenlos auf über 75 Kg aufgestockt. Auch Air Mandalay war in diesem Jahr bereit, unser Übergewicht auf diversen Inlandsflügen kostenlos zu transportieren.
In der vorliegenden Broschüre haben wir den größten Teil unserer diesjährigen Hilfsaktionen knapp dokumentiert, um einerseits zu beschreiben, wohin die Spendengelder des "Förderkreis Birma e.V." geflossen sind und was wir mit den Sachspenden gemacht haben, andererseits aber auch, um über das recht breite Spektrum der von uns geförderten Projekte zu informieren.

Gerd Ransoné, im Juni 2011




2. Zusammenfassung

Bereits am Tag unserer Ankunft in Yangon jagen wir von einem Termin zum anderen. Im Thone Htat Kyaung treffen wir zum ersten Mal unseren neuen Studenten Maung Soe Wai Yan, der am ersten Dezember 2010 sein Studium an der medizinischen Fakultät der Universität Yangon aufgenommen hat. Anschließend regeln wir die zahlreichen Inlandsflüge für die kommenden vier Wochen und besuchen Ko Myint Aung einen Monat nach seiner schweren Operation im General Hospital. Schon zwei Tage später fliegen wir nach Mandalay, wo wir die anderen Studenten im Phaung Daw Oo wiedersehen und mit ihnen über ihre Zukunft plaudern.
In Hsipaw treffen wir Ko Zaw Tun und Daw Khin Than Win, die beiden Verwalter des Micro Credit Projekts und besuchen den für unsere Wasserbüffel verantwortlichen Reisbauern Seng Sai in seinem Dorf San Pheit sowie den Büffel Aik Lum.
Während eines Abstechers nach Nam Lan lernen wir den renommierten Chirurgen Dr. Shwe Nyann kennen, der vor gut einem Jahr zwei vom Verein finanzierte Hasenscharten-Operationen an Kindern aus Nar Mone durchgeführt hat. Natürlich besuchen wir auch diese Kinder in ihrem Dorf nördlich von Hsipaw. Später verabreden wir uns mit Thein Htike Oo, dem „Municipal Senior Officer“ im Rang eines Oberbürgermeisters, um mit ihm über das Umweltprojekt „Plastic Free Hsipaw“ zu diskutieren.
Im weiteren Verlauf unserer diesjährigen Reise fliegen wir nach Kalaymyo, um uns vor Ort über den aktuellen Stand der bereits abgeschlossenen Projekte zu informieren und uns von deren Nachhaltigkeit zu überzeugen. Dort bringen wir auch ein neues Ausbildungsprojekt für Niang Bawi Len auf den Weg.
Zum Abschluß fliegen wir an die Küste nach Ngapali (Thandwe), um endlich Oliver E Soe Thet persönlich kennenzulernen, ohne dessen Engagement die Operation für Ko Myint Aung nicht hätte stattfinden können. In Yangon treffen wir noch Dr. Zin Ma Oo aus Kyaing Tong im Goldenen Dreieck und übergeben ihr zahlreiche Medikamente für die Zetamin-Klinik.




3. Yangon - Maung Soe Wai Yan

Bereits vor unserer Ankunft in Birma haben wir in Yangon (Rangun), der früheren Hauptstadt Birmas, ein Treffen mit Maung Soe Wai Yan arrangiert. Er ist ein sehr begabter Schüler, der erst kürzlich sein Abschlußexamen an der State High School No.2 im Stadtbezirk Hlaingtharyar mit Bestnoten bestanden hat.
Am buddhistischen Kloster Thone Htat Kyaung lernte er im Herbst 2010 zufällig den Sayadaw des Phaung Daw Oo in Mandalay - U Nayaka - kennen und erzählte ihm von seinen ehrgeizigen Plänen, Medizin studieren zu wollen. Über Ni Ni Aung, eine Verwaltungsangestellte am PDO in Mandalay, haben wir davon erfahren und inzwischen Pateneltern gefunden, die das Studium des erst sechzehnjährigen Jungen über den Förderkreis Birma finanzieren werden. Die voraussichtliche Studiendauer wird sechs Jahre betragen.
Maung Soe Wai Yan hat sein Studium schon im Dezember 2010 an der Medizinischen Universität in Yangon aufgenommen. Wir treffen ihn in Begleitung seines Onkels und seiner Mutter Daw Khin Htay Win. Saya Ko Oo vom Thone Htat Kyaung macht uns bekannt und wir plaudern angeregt über die Zukunft unseres neuen Studenten, der einmal ein Spezialist werden möchte. Seine aufgeschlossene, lockere Art, sein gesundes Selbstbewußtsein und seine guten Englischkenntnisse beeindrucken uns. Wir haben ein gutes Gefühl.



4. Yangon - Ko Myint Aung

Wir kennen Ko Myint Aung seit mehreren Jahren. Er arbeitet in einem Hotel in Yangon, welches seit geraumer Zeit die erste Anlaufstelle zu Beginn unseres alljährlichen Besuchs in Birma ist. Daher konnten wir den Verlauf seiner äußerst seltenen Krankheit, einer sogenannten Neurofibromatose, über einen längeren Zeitraum verfolgen.
Bereits im Frühjahr 2010 hörten wir von einem deutschen Arzt namens Dr. Heinz Schoeneich aus München, der seit geraumer Zeit im Rahmen von „Interplast Germany“ alljährlich nach Burma fliegt und dort für mehrere Wochen kostenlos, vornehmlich an Kindern, plastische Operationen durchführt.

Wir nahmen umgehend Kontakt mit ihm auf, und schon bald stellte sich heraus, daß er „unseren Patienten“ bereits kannte, da er ihn im Jahre 1995 zum ersten Mal operiert hat. Wir bieten an, daß unser Verein alle Folgekosten für Medikamente, Krankenhausaufenthalt und Verdienstausfall übernimmt. Dr. Schoeneich erklärt sich sofort bereit, Ko Myint Aung erneut zu operieren.
Die komplizierte Operation wird schließlich am 14. Januar 2011 von fünf Ärzten mit acht assistierenden Krankenschwestern in der Neurologischen Abteilung des General Hospital in Yangon unter Leitung des erfahrenen plastischen Chirurgen Dr. Heinz Schoeneich durchgeführt und dauert etwa fünf Stunden.

Bereits am Tag unserer Ankunft in Yangon fahren wir zum Krankenhaus, wo die Betreuerin von Ko Myint Aung – Daw Soe Soe Win – schon auf uns wartet. Ko Myint Aung ist noch weniger gesprächig als sonst. Ob ihn seine Wunden noch stören, ob er unter Schmerzmitteln steht, oder ob er ganz einfach noch sehr schwach ist, finden wir nicht heraus. Wahrscheinlich spielen alle drei Gründe eine Rolle; geschwächt ist er auf jeden Fall, und er hat sehr abgenommen. Trotzdem läßt er es sich nicht nehmen, uns zum Ausgang zu begleiten, als wir uns von ihm und seiner Frau verabschieden wollen. In knapp vier Wochen werden wir ihn erneut treffen, aber wohl nicht mehr im Krankenhaus. Wir verteilen noch ein paar Geschenke an seine Frau und hinterlassen auch Sachen für die betreuenden Ärzte und Krankenschwestern, um die Vorzugsbehandlung weiterhin zu sichern.

In der Folgezeit werden noch zwei weitere Hauttransplantationen vorgenommen. Am 23. Februar wird Ko Myint Aung nach vierzig Tagen aus dem Hospital entlassen.
Als wir am 11. März aus dem Norden Birmas zurückkehren, treffen wir ihn erneut mit seiner Frau Thaung Thaung Aye und seiner Tochter Tin Nwe Aung. Er ist zwar ein wenig enttäuscht darüber, daß nicht alles überflüssige Gewebe entfernt werden konnte, bereut es aber nicht, daß er sich hat operieren lassen, zumal seine linke Mundhöhle jetzt wieder frei von Tumoren ist. Seit dem ersten April arbeitet er wieder, wie gewohnt, an der Rezeption des Hotels.




5. Mandalay - Phaung Daw Oo

Kurz nach unserer Ankunft in Mandalay telefonieren wir mit Ni Ni Aung und vereinbaren unser Treffen im Phaung Daw Oo für den nächsten Tag um 16:00 Uhr.
Als wir in der Monastic Education High School ankommen, werden wir bereits recht ungeduldig erwartet. Neben dem Verwaltungspersonal treffen wir auch in diesem Jahr wieder fast alle von uns geförderten Studenten. Wir lassen uns ausführlich vom bisherigen Studienverlauf jedes einzelnen berichten und diskutieren über individuelle Vorstellungen und Zukunftsperspektiven.

Wir treffen auch den angehenden Chemiker Aung Tun Lay, der erst kürzlich wieder eine wichtige Prüfung bestanden hat.
Tin Ma Ma Thet hat ihr Studium Ende 2010 abgeschlossen. Inzwischen unterrichtet sie Englisch am Phaung Daw Oo. Zusätzlich hält sie Weiterbildungskurse für Lehrer in Yangon und in Mandalay ab. Wir werden versuchen, sie für weitere Schulungs-maßnahmen am Don Bosco Seminar in Hsipaw zu verpflichten.

Aung Tun Lay beendet sein Studium Ende 2011. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Leistungen wird er im Anschluß vermutlich eine Promotionsstelle erhalten.
Sayadaw U Nayaka vermittelt uns einen neuen Ingenieurstudenten namens Maung Hein Htet Naing. Er ist ganz pfiffig, witzig, locker und außergewöhnlich gesprächig.




6. Hsipaw - Ko Zaw Tun

6.1 Bildung und Erziehung

Im Jahre 2010 konnten die Ausgaben für die Schulausbildung von Kindern bedürftiger Familien in Hsipaw und Umgebung kräftig gesteigert werden. Diese werden bereits seit geraumer Zeit aus den Zinseinkünften unseres Micro Credit Projekts abgedeckt und beinhalten Schulgeld, Schreibmaterial, Lehrbücher und Schuluniformen.

Im Jahre 2010 diente der Ertrag aus dem Micro Credit zum ersten Mal ausschließlich der Bildung, und nicht zu seiner finanziellen Aufstockung.




6.2 Micro Credit

Das seit gut einem Jahr staatlich registrierte Micro Credit Projekt in Hsipaw ist zum „Selbstläufer“ geworden und bedarf keiner externen Hilfen mehr. In Begleitung von Ko Zaw Tun besuchen wir Daw Khin Than Win, die den Micro Credit seit der Gründung im Jahre 2004 gemeinsam mit ihm betreut und verwaltet.

Zu Beginn unserer Initiative im Jahre 2004 hatten wir gerade mal 43 Kreditnehmer, im vergangenen Jahr war ihre Zahl schon auf über 200 angestiegen. Inzwischen ist die Anzahl der vergebenen Kleinkredite wieder auf etwa 125 zurückgegangen. Diese Entwicklung ist überaus erfreulich, zeigt sie doch recht deutlich die nachhaltige Wirkung des Konzepts.

Im Laufe der Gespräche erfahren wir viele Details über das Verfahren zur Gewährung eines Micro Credits: Der Mindestbetrag liegt zur Zeit bei 20.000 Kyat (ca. 17,40 Euro), der maximale Betrag bei 100.000 Kyat (ca. 86,95 Euro). Bei einem Erstantrag wird ein Kredit von maximal 40.000 Kyat vergeben. Wird eine Anleihe bereits innerhalb der ersten sechs Monate zurückgezahlt, erhöht sich automatisch die Kreditwürdigkeit des Schuldners, wodurch er im Falle eines erneuten Antrags bereits auf den maximal zu vergebenden Betrag zurückgreifen kann. Den Kunden, die ihren Kredit innerhalb eines Jahres unverschuldet nicht zurückzahlen können, wird ein Aufschub gewährt, andernfalls wird ihnen kein weiterer Kredit mehr gegeben.

In diesem Jahr haben wir viele Berichte über Existenzgründungen gesammelt, die erst mit Hilfe von Micro Credits in Hsipaw ermöglicht wurden (siehe Kapitel 14).




6.3 Umweltprojekte

Im vergangenen Jahr haben wir viele Baumwolltaschen mitgebracht. Diese wurden zuvor mit Motiven bedruckt, die vor dem extensiven Gebrauch von Plastiktüten aus Polyethylen warnen und auf die damit verbundenen Gefahren hinweisen. Ko Zaw Tun, der viel Aufklärungsarbeit in Sachen Umwelt betreibt, hat sie inzwischen beim Volksstamm der Lisu, einer ethnischen Minderheit im nördlichen Shan-Gebiet, verteilt.

Der im Rahmen unseres Umweltprojekts eingesammelte, nicht wiederverwertbare Plastikmüll wird seit einiger Zeit auf eine von den lokalen Behörden angelegte Müllkippe weit außerhalb von Hsipaw gebracht und dort verbrannt. Leider treffen wir dort auch Frauen an, die inmitten der von Dioxin verseuchten Halde nach Metall suchen. Wir sind entsetzt. Es zeigt uns aber deutlich, daß noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist.

Wir packen eine Tasche voll mit Umweltpostern, Internet-Fotos von plastikverseuchten Flüssen sowie dem letzten bedruckten T-Shirt und wandern zur Stadtverwaltung. Der Senior Officer Thein Htike Oo und seine Mitarbeiterinnen kommen pünktlich aus der Mittagspause.

Wir werden sehr freundlich empfangen, trinken Kaffee und Tee, machen Fotos und bringen unser Anliegen vor. Der Senior Officer versteht genug Englisch um zu begreifen, was wir meinen, und wir können sogar beobachten, daß er und seine Büroleiterin interessiert zuhören.

Schon bald können wir den letzten Punkt unserer Tagesordnung abhaken; wir haben alles getan, was wir konnten. Ko Zaw Tun freut sich riesig über unseren Bericht und ist sich sicher, daß sich etwas tun wird. Wir sind da etwas vorsichtiger und meinen, daß sich etwas tun kann. Wir werden auf jeden Fall versuchen, mit dem Senior Officer in Kontakt zu bleiben.




6.4 Hsipaw - Wasserbüffel

Unser ältester Wasserbüffel Aik Lum ist inzwischen etwa neun Jahre alt. Nachdem ihm seine ältere Freundin Ae Mae bereits im Jahre 2009 eine Tochter geschenkt hat, ist er am 06. August 2010 zum zweiten Mal Vater geworden, diesmal durch seine jüngere Freundin Ae Mauk. Nun hat er auch einen Sohn. Dieser heißt Mauk Kham, was in der Sprache der Shan „Goldene Blume“ bedeutet. Tatsächlich hat der Kleine den gleichen weißen Fleck auf der Stirn wie seine Mutter. Auf dem Foto ist er gerade mal 3 Tage alt. Seine acht Monate alte Schwester Ae Moon, das „Mondmädchen“, hat nun endlich einen Spielkameraden.

Wir besuchen Seng Sai, den Reisbauern und Betreuer unserer Wasserbüffel, in seinem Dorf San Pheit westlich von Hsipaw in der Hoffnung, dort die beiden Büffelkinder mit ihren Müttern anzutreffen. Die sind jedoch in eine Gegend gebracht worden, wo sie frisches Gras finden können. Das ist, so erklärt uns Seng Sai, für die Mütter sehr wichtig, da sie ihren Nachwuchs über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren säugen.
So treffen wir in diesem Jahr leider nur den starken Vater Aik Lum an, der sich trotz der harten Arbeit in den Reisfeldern mit trockenem Heu begnügt.




7. Nam Lan - Dr. Shwe Nyann

Wir haben uns vorgenommen, den Chefarzt des General Hospital in Nam Lan kennenzulernen, der im Herbst 2009 die Hasenscharten der beiden Kinder Nang Shwe Sein und Sai Ngo Po aus dem Dorf Nar Mone mit finanzieller Unterstützung unseres Vereins operiert hat.

Bei der zweistündigen Fahrt zum Krankenhaus in Nam Lan kommen wir mit relativ wenig Nachfragen durch die Checkpoints. Dr. Shwe Nyann macht gerade Visite. Wir verbringen die Wartezeit, indem wir die mitgebrachten Kuscheltiere an zahlreiche kleine Patienten und diverse Hygieneartikel an die älteren Kranken verteilen.

Der Chefarzt macht uns auf eine besonders arme Palaung Frau mit ihren drei Kindern aufmerksam. Wir geben ihr eine Tasche voller Kinderkleidung. Die kleine Tochter freut sich riesig über ihren neuen Hund, dem wir auch gleich einen Namen geben: „Mister White“. Die letzten zwei Kuscheltiere geben wir unserem Fahrer.

Dr. Shwe Nyann ist ein außergewöhnlich sympathischer, freundlicher Mensch. Nach der Fotosession stellt er uns seine Frau vor, ebenfalls eine Ärztin. Wir spenden umgerechnet 430.- Euro für weitere Operationen.

Draußen machen wir noch Bekanntschaft mit einem zwölfjährigen Novizen, der am morgigen Tag operiert werden soll. Er ist völlig verschüchtert und ängstlich zugleich, da er nicht so genau weiß, was ihn erwartet. Um ihn ein wenig aufzumuntern und ihm die Angst vor der Operation zu nehmen, zeigen wir ihm die Fotos der beiden Kinder aus Nar Mone, die der Chefarzt vor gut einem Jahr operiert hat: vorher/nachher. Auf der Rückfahrt passieren wir den letzten Checkpoint um 17:30 Uhr, wo wir morgens noch versprochen hatten, gegen 15:00 Uhr zurück zu sein. Der junge Polizist ist so erleichtert, daß er uns strahlend durchwinkt.




8. Nar Mone - Nang Shwe Sein und Sai Ngo Po

Am nächsten Tag wandern wir mit Ko Zaw Tun in das nördlich von Hsipaw gelegene Dorf Nar Mone, um die beiden Kinder zu besuchen, deren Hasenscharten im vergangenen Jahr von Dr. Shwe Nyann im Nam Lan Hospital operiert wurden.

Die Kleine, Nang Shwe Sein, bezaubert uns durch ihr süßes Lächeln, während Sai Ngo Po noch recht schüchtern ist. Beide Kinder freuen sich riesig über unsere mitgebrachten Geschenke: der Junge bekommt eine Taschenlampe mit drei LEDs, das Mädchen ein Knuddelschaf mit eingebauter Spieluhr.




9. Kalaymyo - Kalay Diözese

Schon kurz nach unserer Ankunft begeben wir uns zum Bischofssitz. Father John Khup empfängt uns sehr gastfreundlich und berichtet uns über den erfolgreichen Verlauf der Ausbildung von Niang Bawi Len zur Weberin im vergangenen Jahr.
Das junge Mädchen wohnt nach wie vor bei Fr. Johns Mutter, und wir überlegen gemeinsam, wie Niangs Zukunft aussehen könnte. Dabei suchen wir nach Möglichkeiten, nicht nur ihren eigenen Verdienst sondern auch den aller Weberinnen, die auf der Mission arbeiten, zu verbessern oder gar zu verdoppeln.
Prinzipiell ist allen klar, daß die Zwischenhändler, die fast nichts tun, aber genauso viel verdienen wie diejenigen, die die Arbeit machen, aus der Handelskette wegfallen müssen. Direktverkauf, regelmäßige „Tage der offenen Tür“, das sind die Stichworte. Außerdem wäre es von großem Vorteil, wenn die gewebten Stoffe bereits zu Kleidungsstücken verarbeitet werden könnten, bevor sie verkauft werden. Wir schlagen vor, daß wir uns die anstehenden Kosten teilen: Father John übernimmt Kost und Logis und unser Verein die zweite Ausbildung für Niang Bawi Len zur Schneiderin.
Bald landen wir zum Gehirnsturm im Biergarten. Wir haben das erste Glas Bier noch nicht ausgetrunken, da sprudeln wir auch schon vor Ideen, wie wir das Wohl von Niang Bawi Len mit dem von Sonnys Familie und deren Waisenhaus vereinbaren können, ohne den Verein zu ruinieren.

Am nächsten Tag kommt Sonny bereits um 09:30 Uhr zum Hotel. Er hat unsere Pläne inzwischen mit seiner Frau Biak Rem Mawi besprochen. Im gemeinsamen Gespräch erzählt sie uns, daß ihr eine vernünftige Nähmaschine aus Japan als Gehalt für die Schulung von Niang Bawi Len am liebsten wäre.
Schließlich fahren wir alle zu Father John, gabeln Niang Bawi Len auf und begeben uns zum Markt in Tahan. Bald stellt sich heraus, daß die beiden Frauen sich (noch nicht) unterhalten können, denn die eine spricht Hakha Chin, und die andere Titim Chin. Sie müssen also auf die Fremdsprache burmesisch zurückgreifen, die Niang Bawi Len allerdings auch nicht so gut beherrscht.
Die erste indische Singer tut es gar nicht, das Ausstellungsstück hat einen Sprung, die dritte kaufen wir. Dann sucht Biak Rem Mawi sorgfältig und gewissenhaft Tisch und Deckel aus. All dies dauert so lange, daß Father John auf sein Mittagessen verzichten muß, das er normalerweise um 11:30 Uhr einnimmt.
Kurz vor 12:30 Uhr setzt er uns dann vor dem zweiten Nähmaschinengeschäft ab. Hier kommen wir schneller voran. Biak Rem Mawi überprüft wieder alles sehr genau und entscheidet sich für eine japanische Riccar. Sie ist von ihren Gefühlen so überwältigt, daß sie leise vor sich hin weint. Es ist alles sehr bewegend. In diesem Geschäft kaufen wir dann noch weiteres Kleinmaterial für Niang Bawi Len.

Die Kosten für die zweite Ausbildung von Niang Bawi Len betragen etwa 359,40 Euro und teilen sich wie folgt auf:

1. Nähmaschine Singer (Indien)
2. Nähmaschine Riccar (Japan)
3. Stoffe zum Üben
4. Bügeleisen
5. Maßbänder und Scheren
6. Diverses Kleinmaterial

Gesamtsumme:
119.000 Kyat
270.000 Kyat
3.300 Kyat
6.000 Kyat
3.800 Kyat
11.200 Kyat

413.300 Kyat



10. Kalaymyo - Trinity Orphanage

10.1 Verteilung von Brillen

U Ni Hre, der Direktor des Waisenhauses „Trinity Orphanage“ in Kalaymyo, hat uns im Laufe des vergangenen Jahres mehrfach mitgeteilt, daß insbesondere viele der älteren Dorfbewohner hoffen, in diesem Jahr eine passende Sehhilfe zu finden. So haben wir auch diesmal viele optische Brillen mit nach Kalaymyo gebracht.
Deren Anprobe wird zwar, wie in den vergangenen Jahren, recht stressig, aber wir machen wieder zahlreiche Menschen glücklich. Eine der fündig gewordenen Frauen fällt sogar spontan in eine Art religiöse Verzückung und beginnt, mit christlichen Gesängen ihren Herrn zu lobpreisen.




10.2 Bilanz abgeschlossener Projekte

Das Kraftwerk

Inzwischen ist das Biogas-Kraftwerk schon seit zwei Jahren in Betrieb. Vom gepflegten Zustand der Anlage sind wir äußerst angenehm überrascht, zumal alle Aggregate einen neuen Anstrich verpaßt bekommen haben. Offenbar sind unsere eindringlichen Ratschläge der vergangenen Jahre zur Bildung ausreichender Rücklagen für den Erhalt der Anlage und laufende Reparaturen nicht auf taube Ohren gestoßen.

Im Übrigen kann sich die Bilanz des Kraftwerks sehen lassen: Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Gewinn um etwa 60 Prozent gesteigert werden. Diese Steigerung liegt unter anderem darin begründet, daß das Kraftwerk seit dem zweiten Betriebsjahr die in 2010 fertiggestellte Reismühle antreibt und daher an vielen Tagen weitaus mehr als acht Stunden lang elektrische Energie produziert. Infolgedessen können die Stromkunden nicht nur über einen wesentlich längeren Zeitraum versorgt werden, sondern sie nutzen dieses Angebot auch und sind bereit, entsprechend höhere Stromgebühren zu bezahlen. Außerdem nutzen inzwischen immer mehr Haushalte eine größere elektrische Leistung zur Beleuchtung ihrer Wohnung in den Abendstunden. Einige haben sich sogar schon einen Fernsehapparat angeschafft.



Die Reismühle

Die Reismühle ist seit gut einem Jahr in Betrieb. In der Regel arbeiten hier drei bis vier Menschen.

Im ersten Jahr sind bereits 2.625 Säcke Reis verarbeitet worden (das sind knapp 80.000 Kg). Dies bescherte dem Waisenhaus einen Ertrag von gut 900.000 Kyat (etwa 780 Euro).



Das Telefon

Die Einkünfte des öffentlichen Telefons sind im Vergleich zum Vorjahr um knapp 30 % zurückgegangen, bringen dem Waisenhaus aber immer noch einen Gewinn von 145.000 Kyat (das sind umgerechnet etwa 125 Euro). Die Gründe für diesen Rückgang sind recht vielschichtig.

Zunächst waren wir der Annahme, daß im Dorf Sanmyo ein weiterer öffentlicher Fernsprecher eingerichtet worden sei und damit ein Konkurrenzbetrieb zu unserem Projekt entstanden wäre. Dem ist aber nicht so. U Ni Hre erklärt uns den wahren Grund: In seinem Dorf gibt es, wie in vielen anderen Landesteilen Birmas, immer wieder junge Menschen, die für einige Jahre nach Malaysia oder Singapur auswandern, weil sie dort eine besser bezahlte Arbeitsstelle finden. Dann häufen sich zwangsläufig die recht kostenintensiven Auslandsgespräche, weil die Eltern von Zeit zu Zeit mit ihren Kindern sprechen möchten. Umgekehrt lassen die Auslandsgespräche natürlich nach, wenn temporäre Auswanderer in ihr Dorf zurückgekehrt sind.

Als guter Christ und Menschenfreund läßt U Ni Hre auch schon mal „anschreiben“, wenn die Leute sehr arm sind und zur Zeit kein Geld haben. Zuweilen kommt es auch vor, daß er besonders arme Dorfbewohner kostenlos telefonieren läßt.



Der Fischteich

Wie in jedem Jahr ist der Wasserpegel des Fischteichs mit Beginn der Regenzeit kräftig angestiegen. Die zahlreichen Fische, die dort Mitte Mai ausgesetzt wurden, sind im Laufe der Monate zu stattlicher Größe herangewachsen und bereichern den Speiseplan der Waisenkinder wieder regelmäßig mit eiweißhaltiger Nahrung.

Der Waisenhausdirektor U Ni Hre erzählt uns, daß in jedem Jahr etwa 700 Fische aus dem Teich gefangen werden können - zumindest theoretisch. Leider, so beklagt er, gibt es seit einiger Zeit ein paar nachtaktive „Schwarz-Angler“. Dabei dürfte es sich aber wohl ausschließlich um Mundraub sehr armer Menschen handeln und sollte nicht im Widerspruch zu U Ni Hre's christlicher Einstellung stehen.

Vergleicht man den Profit für das Waisenhaus aus dem Fischteich mit den Zahlen des Vorjahres, so ergibt sich ein Rückgang um fast 48 Prozent. Der verbleibende Gewinn aus dem Verkauf von Fischen liegt im Jahre 2010 gerade mal bei 96,- Euro.

Ni Hre versucht zunächst, die nächtlichen Fischdiebe dafür verantwortlich zu machen. Erst als wir nachfragen stellt sich heraus, daß es weitere Gründe für den erwähnten Rückgang gibt: Zum einen wurden in 2010 aufgrund eines höheren Eigenbedarfs weniger Fische verkauft, zum anderen war der Erlös pro Fisch geringer als im Vorjahr.



11. Kalaymyo: Beulah Children Home

In Sanmyo besuchen wir unseren früheren Dolmetscher Sonny Cung Luai, der unter ärmlichsten Verhältnissen das Waisenhaus „Beulah Children Home“ unterhält, in dem er mit seiner Frau Biak Rem Mawi und zwei eigenen Kindern, seinem Bruder, seinem Schwiegervater und elf Waisenkindern lebt.

Sonnys Frau bringt Niang Bawi Len gerade das Arbeiten an der Nähmaschine bei, sein Bruder ist gelernter Schreiner. Sonnys Pläne für die Zukunft: Ein eigenes Haus, um die Miete zu sparen und mit seinem Bruder eine gemeinsame Schreinerwerkstatt ...




12. Neue Kontakte

Bischof Raymond von Bhamo In diesem Jahr lernen wir zum ersten Mal den Präsidenten der MCA (Myanmar Chefs Association), Oliver E Soe Thet - links im Bild - persönlich in Ngapali kennen und knüpfen Kontakte zwischen ihm und der Chefärztin der Zetamin Klinik, Dr. Zin Ma Oo, in Kyaing Tong. Auch in 2011 können wir ihr wieder viele Medikamente und Instrumente übergeben.

Außerdem treffen wir Dr. Christian Runge und seine Frau Ilse vom neu gegründeten Verein „Myanmar Partner“ aus Saarbrücken in Mandalay. Das erste gemeinsame Projekt mit deren Verein ist bereits in Planung.




13. Werbung in eigener Sache

Auch in diesem Jahr haben wir unsere Berichte aus dem Vorjahr 2010 in mehreren Hotels in Birma als sogenannte Belegexemplare ausgelegt, um insbesondere deutschsprachige Touristen auf unsere vielfältigen Projekte aufmerksam zu machen. Dazu zählen u.a. die Hotels Beautyland I in Yangon, Taung Zalat in Kalaymyo, Royal City in Mandalay, Mr. Charles Guesthouse in Hsipaw sowie Laguna Lodge in Ngapali Beach.

Ein kanadischer Urlauber in Yangon hat nach der Lektüre der Berichte spontan 100.000 Kyat an unseren Verein gespendet.




14. Micro Credit Berichte

Das Schicksal der Kreditnehmer in Hsipaw und Umgebung liegt uns ganz besonders am Herzen. Daher haben wir uns bei einigen von ihnen persönlich erkundigt. Über andere wurde uns von Daw Khin Than Win und Ko Zaw Tun erzählt.

Daw Kyi Kyi: Doppelt genäht hält besser

Als sie mit ihren 25 Jahren immer noch unverheiratet war, entschied Kyi Kyi, daß sie die Kleinstadt, in der sie aufgewachsen war und immer noch lebte, verlassen wolle, um in eine größere Stadt zu ziehen. Ihr Abitur lag zwar einige Jahre zurück, aber sie entschloß sich, nun doch ein Studium aufzunehmen und entschied sich für Jura, ein Fach, das sie im Fernstudium studieren konnte.
Um die Studiengebühren bezahlen zu können, mietete Kyi Kyi eine Nähmaschine, mit welcher sie nun Gardinen, Decken und weitere Haushaltswäsche für die Nachbarn nähen konnte. Ihr kleines Geschäft lief gut, aber die Mietkosten für die Nähmaschine waren hoch, und die Mietzahlungen empfand Kyi Kyi als verlorenes Geld. Daher entschied sie sich, einen Micro Credit über 100.000 Kyat für den Kauf von zwei gebrauchten Nähmaschinen aufzunehmen. Sie wählte Maschinen mit unterschiedlichen Funktionen, so daß sie das Angebot ihrer Waren ausweiten konnte.
Sie arbeitete hart, aber es lohnte sich. Sie finanzierte damit ihr Studium, und den Kredit konnte sie schon nach kurzer Zeit zurückbezahlen. Sie hat sich ihren Traum erfüllt: heute lebt sie in der Stadt und arbeitet in einer Anwaltskanzlei. Ihre Nähmaschinen hat sie ihrer Schwester überlassen. Diese führt nun das kleine Geschäft weiter und kann damit ihr Lehrergehalt aufbessern.

Mo Kyaw: Haarscharf kalkuliert

Als seine Mutter vor zwanzig Jahren starb, war Moe Kyaw erst zwölf Jahre alt. Da sein Vater schwer krank und arbeitsunfähig war, fiel dem kleinen Jungen die Verantwortung für die ganze Familie zu. Seinen Traum, ein Studium aufzunehmen, mußte er aufgeben. Die Jahre vergingen, und nachdem seine jüngeren Schwestern Männer aus anderen Ortschaften heirateten und das Elternhaus verließen, wurde Mo Kyaw klar, daß es nun Zeit war, für seine eigene Zukunft zu sorgen.
Seit Kindesjahren war er seinem Großvater sehr verbunden. Dieser war Frisör, und der kleine Junge beobachtete ihn gerne bei der Arbeit. Das Handwerk wurde seit vielen Generationen vom Vater auf den Sohn übertragen, und da der Großvater keinen Sohn hatte, bot sich an, daß Mo Kyaw als Enkel die Familientradition weiterführte.
Er erhielt einen Micro Credit über 100.000 Kyat, mit dem er einen kleinen Raum mieten konnte. Dieses Geld reichte auch für den Kauf eines gebrauchten Frisörstuhls und eines großen Spiegels. Sein Geschick und sein Sinn für moderne und gar modische Schnitte verhalfen ihm bald zum Ruf als bester Frisör im Ort. Seinen Micro Credit hat er schon zurückbezahlt, nun freut sich Mo Kyaw, daß er einen Gesellen einstellen und sein Geschäft vergrößern kann.

Daw Ma Su: Keine Bohne wert ?

Daw Ma Su ist 52 Jahre alt und verwitwet. Sie hat fünf Kinder, das älteste, ein Sohn, ist 30 Jahre alt, das jüngste, ein hübsches Töchterchen, das kurz vor dem Tod ihres Mannes geboren wurde, ist erst 10 Jahre alt.
Viele Jahre brachte Daw Ma Su ihre Familie durch, indem sie Bohnen kaufte und diese wieder verkaufte, nachdem sie sie auf traditionelle Art so gebacken hatte, wie sie gerne von den Burmesen in köstlichen Ingwer- und Teeblatt Salaten verwendet werden. Ihr ältester Sohn, der einen guten technischen Verstand besitzt, arbeitet als Assistent in einer Autoreparaturwerkstatt. Als er heiratete, suchte er nach einer Möglichkeit, sowohl seine Mutter und seine Geschwister zu unterstützen, als auch bessere Voraussetzungen für die Gründung einer eigenen Familie zu schaffen.
Er beriet die Möglichkeiten mit seiner Mutter. Mit einem 100.000 Kyat Micro Credit konnte Daw Ma Su für ihren Sohn einen Raum als Reparaturwerkstatt mieten und die nötige Werkzeuge kaufen. Das Geschäft läuft gut, zum einen wegen der guten Arbeit des jungen Mannes, zum anderen auch aufgrund der Tatsache, daß immer mehr Leute ihre Ersparnisse eher in ein Motorrad als in ein Fahrrad stecken.
Der Micro Credit ist bereits getilgt. Die Einnahmen aus der Reparaturwerkstatt decken mittlerweile fast alle Ausgaben der gesamten Familie ab, darunter auch die Instandsetzung des Hauses und die Universitäts- Studienkosten der Geschwister. Erste Anschaffungen für eine Babyausstattung konnten ebenfalls damit bezahlt werden, denn Daw Ma Su freut sich schon auf ihr erstes Enkelkind.

Daw Ma Sein: Schwein gehabt !

Daw Ma Sein und U Soe Shwe lebten ein ganz einfaches Leben, nur mit dem sehr bescheidenen Einkommen des Mannes, der als Trishaw Fahrer Leute und Güter innerhalb der Stadt und zu den nahe gelegenen Dörfern beförderte. Das Paar hat drei Söhne, wovon der jüngste als Kleinkind Kinderlähmung bekam, diese zwar überlebte, aber jetzt schwer behindert ist.
So einfach ihre Lebensverhältnisse auch sind, Daw Ma Sein ist eine regelmäßige Besucherin der privaten Büchereien im Ort (es gibt in Birma keine Stadtbüchereien). Vor allem ermutigte sie den älteren Sohn, sich für einen Studienplatz an der Universität in Mandalay zu bewerben.
Lange Zeit suchte sie nach einer Möglichkeit, etwas Geld dazu zu verdienen, ohne die häusliche Aufsicht über ihren jüngsten Sohn vernachlässigen zu müssen. So beschloß sie, einen 60.000 Kyat Micro Credit aufzunehmen, um damit zwei junge Schweine zu kaufen und ihnen auf ihrem Grundstück einen kleinen Stall bauen zu können. Der Eber wurde, als er voll ausgewachsen war, für 100.000 Kyat verkauft, die Sau gebar sechs gesunde Ferkel, wovon drei als Jungtiere verkauft wurden. Die anderen drei sollen erst dann verkauft werden, wenn sie größer sind und daher mehr Gewinn bringen werden.
Mit dieser einfachen Idee und mit Hilfe eines Micro Credits hat diese Familie nun eine dauerhafte, zweite Einnahmequelle: ausreichend, um den Micro Credit zurückzuzahlen, das Studium des älteren Sohnes zu finanzieren, und das Leben der ganzen Familie angenehmer zu gestalten.

Mi Mi: Mehr als nur über Wasser halten !

Vor sieben Jahren verstarben sowohl ihr Mann, als auch ihr verwitweter Bruder nach einem Unfall, und Mi Mi mußte alleine die Versorgung ihrer eigenen Kinder und der Vollwaisen übernehmen, die ihr Bruder zurückließ. Die zehnköpfige Familie lebte in einer einfachen Bambushütte am Flußufer. Mi Mi und ihre Töchter plagten sich für ein mageres Einkommen ab, indem sie Sandsäcke auf ihren Rücken zu Baustellen trugen. Die Kinder wuchsen heran, und so auch ihre Bedürfnisse.
Mi Mi wurde bald klar, daß sie sich nach einer besseren Einkommensquelle umschauen mußte. Sie sah nur eine Möglichkeit: das traditionelle Holzlangboot, das sie von ihrer Mutter geerbt hatte und das seit Jahren ungenutzt an der Anlegestelle festlag, weil das Geld für die Reparatur des Motors fehlte. Mit der Aufnahme eines Kleinkredits über 100.000 Kyat wendete sich schon bald das Schicksal der Familie. Das Boot konnte repariert und ein neuer Motor gekauft werden.
Jetzt kann Mi Mi die Tätigkeit ausüben, die einst ihr Mann ausübte. Als Bootsfrau transportiert sie Leute und Fracht, flußauf- und abwärts, zu Dörfern und zum Markt.
Das Geschäft läuft gut. Die Familie lebt zwar noch in der einfachen Bambushütte am Flußufer, diese ist aber mittlerweile repariert, innen wie außen. Das Dach ist jetzt dicht, und es wurden neue Decken und Winterkleidung gekauft, außerdem ordentliche Schuluniformen für die Kinder.

Khin Khin und Lin Lin: Ende gut, alles gut

Nach ihrem Schulabschluß suchten die beiden Schwestern Khin Khin und Lin Lin lange nach dauerhaften Arbeitsstellen, leider vergeblich. Als sie zudem keine geeigneten Ehegatten fanden, wurde ihre finanzielle Lage immer prekärer.
Nach einiger Zeit hörten sie von einer Frau, die lukrative Arbeitsstellen in China vermittelt. So meldeten sich die beiden bei ihr. Man versprach ihnen gute Jobs, und die zwei machten sich auf nach China. Es dauerte jedoch nicht sehr lange, bis sie herausfanden, daß sie in China wie Sklaven als Ehefrauen verkauft werden sollten.
Völlig verzweifelt ergriffen die beiden Schwestern die Flucht. Sie versteckten sich tagelang im Dschungel oder in Klöstern in verschiedenen Dörfern, aus Angst davor, daß die chinesischen Menschenhändler sie finden könnten. Schließlich gingen sie zur Polizei, wo man ihnen half, wieder nach Hause zu kommen.
Zum Glück gaben die beiden ihren Traum vom eigenständigen und würdigen Leben nicht auf, und sie entschlossen sich, einen Micro Credit aufzunehmen. Die beiden erhielten einen Micro Credit in Höhe von 100.000 Kyat. Mit diesem Startkapital kauften sie in Mandalay eine große Menge getrockneten Fisch ein, den sie dann in Hsipaw mit einer kleinen Gewinnspanne wieder verkaufen konnten.
Mittlerweile ist dieses Geschäft zu einer regelmäßigen und sicheren Einkommensquelle geworden, worauf die beiden Schwestern zu Recht stolz sind.




15. Statistik der verteilten Geld- und Sachspenden

Seit unserem letzten Besuch im Frühjahr 2010 haben wir Spendengelder in Höhe von exakt 6.254,92 Euro für Hilfsprojekte in Birma ausgegeben. Diesem Betrag standen zusätzliche Sachspenden - insbesondere hochwertige Medikamente, optische Brillen und medizinische Instrumente - im Gesamtwert von etwa 4.477 Euro gegenüber. Dies entspricht mit einer Gesamtsumme von ca. 10.732 Euro im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um etwa 64 Prozent. *


* Ohne Berücksichtigung der Großprojekte in Kalaymyo in 2010 beträgt der Rückgang lediglich knapp 15 %.




16. Danksagung

An dieser Stelle möchten wir all denjenigen Freunden von ganzem Herzen danken, die mit ihren großzügigen Geld- und Sachspenden einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg unserer diesjährigen Hilfsaktionen in Birma geleistet haben. Dazu zählen insbesondere:

Marie Hélène Behr
Arne Bernhardt
Johanna & Gregor Birnfeld
Frau Börger
Liesel & Uli Bosetti
Brigitte & Frank Dannenbauer
Brigitte Dieckmann
Ineke van Dijk & Ton Kicken
Beate Eckardt
Olaf Erdwiens
Manfred Evers
Burkhard & Petra Floors
Beate & Erhard Funke
Andreas Gorbach
Kelly Grace
Dr. Michael Hassiepen
Birgit Heindel
Silvia Hessler & Norbert Fett
Ulrike & Boris Hoeth
Bernadette & Orhan Ilgen
Dr.Thomas Keusen
Michael Krauss
Traudel & Klaus Krüger
Ursula & Hans-P. Ledwolorz
Hubertus Lemken
Greta Link
Danica Markus
Michael Marx
Ulrich Mühlhoff
Elvira Oberreuther
Melanie Otermanns
Pashalina Pavlou
Anna & Dirk Priester
Ellen Ruppenkamp
Prof. Dr. Eugenio Salinero
Arno Schleicher
Dr. Jürgen Schleppegrell
Volker Schrand
Eva & Ludwig Schwartz
Sigrid Senssfelder
Roswitha & Walter Stollmann
Dominique Tavian
Werner Tesch
Dagmar Trostmann &
   Ralf Pennartz
Evagelia Vetrinaris
Rudi Vogel-Jacobs




sowie

Interplast Germany e.V. (München)
Air Mandalay (Myanmar)
Firma SOPTIM AG in Aachen
Sparkasse Aachen
Thai Airways International

Im Rahmen der Operation für Ko Myint Aung gilt unser besonderer Dank

Dr. med. Heinz Schoeneich (München)
Oliver E Soe Thet (WACS Yangon/Thandwe)
Dr. med. Moe Thuzar (General Hospital, Yangon)
Dr. med. Win Tun (General Hospital, Yangon)
Daw Soe Soe Win (Yangon)
Saya Ko Aung Ko Oo (Thone Htat Kyaung, Yangon)
U Win Nyunt (Phaung Daw Oo, Mandalay)

Darüber hinaus bedanken wir uns ganz herzlich bei Bernd Ellinghoven und Christine Gruber sowie Dodo Klinghardt und Lisa Kötter, die im Rahmen ihres Urlaubs in Südostasien im Jahre 2010 zahlreiche medizinische Hilfsgüter und viele Gebrauchsgegenstände für unseren Verein nach Birma transportiert haben.


Aachen, im Juni 2011

Brigitte Ransoné (Vorsitzende Förderkreis Birma e.V.)
und Gerd Ransoné (stellvertretender Vorsitzender)




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